Awo-Seniorenzentrum in Niestetal

Zu wenig Mitarbeiter, fehlende Zeit für Pflege:  Vorwürfe gegen Seniorenzentrum

+
Ganz neu: Das Awo-Seniorenzentrum an der Karl-Marx-Straße in Niestetal-Heiligenrode wurde vor gut zwei Jahren eröffnet. Die Aufsichtsbehörde hat Mängel in der Pflege festgestellt, die nun abgestellt werden müssen.

Niestetal. Nach Kritik von einer Mitarbeiterin fordert die Aufsichtsbehörde Nachbesserungen im Awo-Altenheim in Niestetal.

Zu wenig Mitarbeiter, fehlende Zeit für die Pflege, keine ausreichende Versorgung für die alten Menschen - mit dieser Kritik hatte sich eine Mitarbeiterin des Awo-Seniorenzentrums Niestetal an die HNA gewendet. Nun zeigt die Aufsichtsbehörde der Awo die Gelbe Karte: Der Betreiber wurde aufgefordert, die Situation in Niestetal nachhaltig zu verbessern.

„Die Beschwerdepunkte haben sich im Wesentlichen bestätigt“, teilte das Regierungspräsidium (RP) Gießen als Aufsichtsbehörde unserer Zeitung mit. Das Versorgungsamt als untergeordnete Behörde hatte nach einer HNA-Anfrage umgehend eine unangemeldete Prüfung des Altenheims veranlasst.

Dabei sei festgestellt worden, dass der „ohnehin defizitäre Personaleinsatz sich nicht im ausreichenden Maß an den Bedürfnissen der Bewohner orientiere“, teilte die Gießener RP-Sprecherin Gabriele Fischer jetzt mit.

Essen wird weggezogen 

„Statt die Menschen gründlich zu waschen, wird einfach die Windel gewechselt“, hatte die Altenheim-Mitarbeiterin moniert. Die alten Menschen hätten nicht ausreichend Zeit zu essen, manchmal werde „ihnen das Essen unter den Fingern weggezogen“. Eine gute Pflege sei nicht gewährleistet, „weil man keine Zeit dazu hat“. Grund seien gekürzte Schichten. „Wir schaffen die Arbeit nicht in der Zeit.“ Die Arbeitsbedingungen seien unzumutbar, auch die vorgeschriebenen Pausen könnten nicht genommen werden. Die Fluktuation der Mitarbeiter sei hoch, „ganz viele kündigen“.

Die Awo weist die Vorwürfe zurück. „Die Arbeit ist anstrengend, aber leistbar“, sagte der stellvertretende Awo-Geschäftsführer Herbert Leidenfrost der HNA. Man werde gegenüber dem Versorgungsamt kommende Woche den Nachweis vorlegen, dass ausreichend Personal in dem Seniorenheim beschäftigt werde. Bei einer unangemeldeten Überprüfung durch die Pflegekassen im Juli sei das Haus mit „einem sehr guten Ergebnis“ bewertet worden, sagt der Awo-Verantwortliche.

Richtig sei, dass die Fluktuation in Niestetal hoch sei. „Wir arbeiten daran, dass wir ein stabiles Team bekommen“, so Leidenfrost. Unter anderem hatte die Leiterin des erst vor gut zwei Jahren eröffneten Hauses nach kurzer Zeit gewechselt. Fachkräfte seien Mangelware, neue Mitarbeiter müssten integriert werden, darunter auch mehrere Personen von Zeitarbeitsfirmen, so der Awo-Mann weiter. In Niestetal setze man eigens eine Mitarbeiterin zur Überwachung der Pflegequalität ein. Zeitdruck beim Mittagessen dürfe es nicht geben. „Wenn wir solche Missstände feststellen, reagieren wir“, sagt Leidenfrost.

Davon ist das Versorgungsamt offenbar nicht überzeugt. Es forderte den Betreiber Awo auf, „eine den Vereinbarungen gemäße und stabile Personalsituation zu schaffen, eine Arbeitsanalyse durchzuführen und die Betreuung und Pflege so zu organisieren, dass Arbeitsabläufe einheitlich geregelt sind und der Einhaltung des bestehenden Konzepts dienen“.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.