8828 Bürger waren zur Wahl aufgerufen

Bürgerentscheid in Niestetal erfolgreich: Mehrheit für Hallenbad-Neubau

Nach gespanntem Warten nun das Ergebnis: Die Niestetaler wollen ein neues Hallenbad. Im Rathaus gab es großen Jubel.

Niestetal. Um 19.11 Uhr am Sonntag brandete im Niestetaler Rathaus Applaus auf: Jugendliche der DLRG lagen sich in den Armen, SPD-Mitglieder beglückwünschten sich – Grund war das vorläufige Endergebnis des Bürgerentscheids Hallenbad.

Das erschien in diesem Moment auf der Leinwand: 2985 Ja-Stimmen, ein so klares Ergebnis hatten viele nicht erwartet.

Dass eine große Mehrheit mit Ja gestimmt hatte, das zeichnete sich bereits wenige Minuten nach Beginn der Auszählung in den acht Wahllokalen ab. Ob aber auch die notwendige Wahlbeteiligung von 25 Prozent erreicht würde, das ließ die Initiatoren und Unterstützer von SPD und DLRG lange zittern. Doch nun machte sich Erleichterung breit.

Aktualisiert um 11.35 Uhr

„Wir haben uns durchaus schwer getan mit der Entscheidung“, sagten Sven und Jasmin Boldt nach ihrem Wahlgang in der Grundschule Sandershausen. Man habe abgewogen zwischen den finanziellen Belastungen für die Gemeinde und dem sozialen Nutzen eines Schwimmbads. „Für uns selbst kommt es ein bisschen spät“, meinte das Ehepaar, die beiden Söhne seien nach Fertigstellung des Neubaus wohl aus dem Familienbad-Alter heraus. Über Zeitungsberichte und beim DLRG-Stand beim Kartoffelfest der Grundschule habe man sich im Vorfeld informiert.

Der gestrige Wahltag in Sandershausen und Heiligenrode verlief völlig ruhig. „Es ist alles reibungslos und glatt gelaufen“, sagte Wahlleiterin Sandra Fleck. 55 Wahlhelfer waren im Einsatz. Beim Auszählen gab es eine kleine Panne in Heiligenrode: Im Wahllokal 5 fehlte dort am Ende ein Stimmzettel. Nach dreimaligem Nachzählen war das Ergebnis dann korrekt und konnte an die Wahlleiterin gemeldet werden.

8828 Niestetaler durften am Sonntag ihre Stimme abgeben, 3699 haben es getan – eine Wahlbeteiligung von 41,9 Prozent. 24 Wahlzettel waren ungültig. 2985 Wahlberechtigte stimmten mit Ja, 690 mit Nein. Damit ist die Entscheidung für den Bau eines neuen Hallenbads klar. Die Gemeinde wird nun eine konkrete Planung in Auftrag geben. Erst dann steht fest, wie das Gebäude aussehen und wann es fertig sein wird.

Das sagt die  CDU

„Es stimmt uns freudig, dass sich so viele an der Wahl beteiligt haben“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Erich Schaumburg. „Man muss aber auch sagen: Sie haben über ein Bad abgestimmt, dessen Pläne sie nicht kannten. Das ist ein falsches Zeichen für die Demokratie. Die Kosten für die Gemeinde werden wesentlich höher sein, als von den Initiatoren angegeben. Wir erwarten von der SPD, dass das Bad nun im angegebenen Kostenrahmen bleibt. Wir hätten uns gewünscht, dass man mit den Nachbarkommunen, deren Bürger das Bad mitnutzen, ernsthaft verhandelt hätte. Dann hätte man vom Land als interkommunales Projekt auch einen größeren Zuschuss erhalten können“, ist sich der Fraktionsvorsitzende der Union sicher.

Das sagt die SPD

„Ich bin total erleichtert, dass es gereicht hat“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Dieter Horn. „Es hat sich gezeigt, dass esder richtige Weg war, die Bürger zu fragen. Das Ergebnis ist ein wichtiger Schritt für Niestetal, das Hallenbad ist ein wichtiger Standortfaktor für die Gemeinde. Das Bürgerbegehren und der Bürgerentscheid haben unsere Partei zusammengeschweißt. Vielen Dank für die große Leistung der Initiative Pro Bad, an der sich viele aus der SPD und der DLRG beteiligt haben.

Das sagt die DLRG

„Für uns als DLRG ist der Abend sehr erfolgreich gewesen. Wir sind überrascht, dass das Ergebnis so deutlich aussieht“, sagte DLRG-Vorsitzender Björn Henkel. „Das Resultat war wichtig, damit wir unsere Vereinsarbeit fortsetzen können. Wirhoffen, dass der Übergang vom Wichtelbrunnenbad ins neue Hallenbad nach dem Neubau nahtlos funktioniert. Unsere Mitglieder waren an den letzten beiden Samstagen an den Wahlständen aktiv und haben Werbung gemacht. Ohne ein neues Bad wäre unsere Arbeit nicht mehr möglich gewesen, und unsere Mitgliederzahl von 500 Personen wäre deutlich geschrumpft

Das sagen die Grünen

„Ich freue mich, dass es genügend Leute gegeben hat, die zur Wahlgegangen sind, das Ergebnis ist eindeutig“, meinte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Elsas. „Allerdings war die Fragestellung etwas zu schlicht. Die Konsequenzen, die das haben wird, sind nicht jedem klar. Die Frage war so gestellt, dass man eigentlich gar nicht Nein sagen konnte“, findet die Grüne.

Das sagt der Bürgermeister

„Das ist ein guter Tag für Niestetal und ein guter Tag für die Demokratie“, sagte Bürgermeister Andreas Siebert (SPD). „Ich binüberwältigt, dass das Ergebnis so klar ist, es hat meine Erwartungen übertroffen. Das ist ein ganz klares Votum für den Bau. Die Bevölkerung hat erkannt, wie wichtig das Bad für die weitere Entwicklung der Gemeinde ist. Es wurde demokratisch abgestimmt, das Votum ist für uns bindend. Ich lade alle bisherigen Gegner des Projekts ein, an dem weiteren Prozess teilzuhaben.“

Niestetaler stimmen für neues Hallenbad

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