Verwirrung in Niestetal: Was ist Polizei, was Ordnungspolizei?

Blaulicht und Uniform: Mancher verwechselt Ordnungspolizist Carsten Johann (45) mit einem Polizeibeamten. Doch der Niestetaler Ordnungshüter hat andere Aufgaben. Fotos: Schindler

Niestetal. Silbernes Auto mit blauen Streifen, Blaulicht auf dem Fahrzeugdach – da denkt so mancher in Niestetal, er hätte die Polizei vor sich. Falsch gedacht.

Die Aufschrift auf den Türen und der Kühlerhaube verrät, dass es sich um das Ordnungsamt der Gemeinde handelt.

Das hat zwar auch ordnungspolitische Aufgaben, allerdings liegen sie nicht im Strafrechtsbereich, sondern im Bußgeldrahmen, außerdem beziehen sie sich ausschließlich auf das Gemeindegebiet.

Was sind nun die Aufgaben der zwei Niestetaler Ordnungspolizisten? Ganz allgemein: Sie sollen für Ordnung in den beiden Ortsteilen sorgen. Geschwindigkeitskontrollen auf den Straßen, mit denen die Mitarbeiter meist in Verbindung gebracht werden, sind nur ein kleiner Teil ihrer Aufgaben.

Wenn Autofahrer falsch parken, wenn Hundehalter ihre Vierbeiner auf den Gehweg machen lassen, wenn eine Straße wegen einer Baustelle gesperrt werden muss – auch dann tritt das Ordnungsamt auf den Plan, erläutert Maureen Kessler, stellvertretende Amtsleiterin. Dabei setze man – meist erfolgreich – auf Argumente und Überzeugungskraft. Wer sich uneinsichtig zeigt, kann mit einem Bußgeld belegt werden.

„Ich will nicht wie ein Rambo auftreten, sondern deeskalierend wirken“, sagt Carsten Johann (45), einer der beiden Niestetaler Ordnungspolizeibeamten im Angestelltenverhältnis, wie es offiziell heißt. Er trägt eine dunkelblaue Uniform, Dienstmütze mit dem Niestetal-Wappen und einem Aufnäher am Ärmel.

Eine Dienstpistole wie die Polizei trägt er nicht, aber Pfefferspray und Handschellen begleiten ihn für den Fall der Fälle. „In sechs Jahren habe ich das aber nie angewendet, bis jetzt habe ich alles mit Worten geregelt“, sagt der 45-Jährige. Auch das Martinshorn auf dem Dienstwagen hat er noch nie gebraucht, das Blaulicht hin und wieder bei einem Einsatz im fließenden Verkehr.

Viele Bürger wenden sich tagtäglich ans Ordnungsamt: mit Beschwerden, mit Fragen, mit Hilferufen. Mal geht es um die Angst vor einem Kampfhund, mal um die Genehmigung zum Verbrennen von Gartenabfällen, mal um Samen von Pusteblumen, die von Nachbars Garten aufs eigene Grundstück fliegen. In den beiden ersten Fällen wird das Ordnungsamt tätig, im letzten Fall verweisen die Mitarbeiter auf den örtlichen Schiedsmann – Nachbarschaftskonflikte sind nicht ihre Aufgabe. „Wir gehen allen Hinweisen und Beschwerden nach“, sagt Maureen Kessler. Das Verhältnis zu den Bürgern sei sehr gut, nur mit Einzelnen gebe es mal Probleme.

Infos und Kontakt: Ordnungsamt der Gemeinde Niestetal, Tel. 0561/52020, ordnungsamt@niestetal.de

Wer macht eigentlich was?

Die öffentlichen Ordnungshüter in Hessen sind untergliedert in Polizei, Wachpolizei, Ordnungspolizei und den Freiwilligen Polizeidienst. Uniformen und Fahrzeuge ähneln sich im Erscheinungsbild. „Das ist gewollt“, sagte Polizeisprecher Torsten Werner vom Polizeipräsidium Nordhessen der HNA, „so sind sie als Sicherheitspersonal von jedem leicht erkennbar.“

Polizei

Die Polizei des Landes Hessen hat die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Schutzpolizei und Kripo gehen gegen strafbare Handlungen vor und ermitteln Täter. Die Gefahrenabwehr und die Unterbindung von rechtswidrigen Handlungen sind weitere Aufgaben. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung regelt die Polizei auch den Verkehr. Über den Notruf 110 ist sie maßgeblich in die Hilfe im Notfall eingebunden. Polizisten tragen blaue Uniformen und eine Dienstmütze, sie sind bewaffnet.

In Hessen gibt es 14 079 Polizisten im aktiven Dienst (Stichtag: 1.1.2015). Dem Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel sind 1654 Polizisten zugeordnet.

Wachpolizei

Die Wachpolizei wurde in Hessen im Jahr 2000 eingeführt. Aktuell hat sie landesweit 532 Mitglieder, die meisten in Frankfurt, in Nordhessen sind es 49.

Wachpolizisten sind bewaffnet. Ihre Hauptaufgabe ist der Objektschutz, darüber hinaus sind sie zum Beispiel in der Verkehrsüberwachung aktiv, bei der erkennungsdienstlichen Behandlung und im Gefangenentransport.

Ordnungspolizei

Träger sind die Kommunen. In manchen Orten firmiert sie als Ordnungsamt, in anderen als Stadtpolizei oder Ordnungspolizei. Die Aufgaben können sehr unterschiedlich sein, in manchen Orten sind Ordnungspolizisten mit Schusswaffen ausgestattet.

Freiwilliger Polizeidienst

In Hessen wurde der Freiwillige Polizeidienst im Jahr 2000 eingeführt. Die Freiwilligen erhalten eine Aufwandsentschädigung und sollen per Fußstreife öffentlich präsent sein. Sie sind nicht bewaffnet, ihr Einsatz dient vor allem der Prävention.

96 Kommunen haben den Freiwilligendienst eingeführt, 450 Freiwillige sind dabei aktiv.

In Nordhessen gibt es den Freiwilligen Polizeidienst nur in Ahnatal (drei Mitarbeiter). In Baunatal, Lohfelden und fünf weiteren Kommunen wurde er nach einigen Jahren wieder eingestellt.

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