Jugendstrafe: 20-jähriger hatte Spielhalle überfallen

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Die Spielhalle in Heiligenrode: Hier hatte ein 20-jähriger Kasseler einer Kassiererin ein Brotmesser an die Kehle gehalten.

Niestetal / Kassel. Zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren hat die Jugendstrafkammer des Landgerichts am Mittwoch einen 20-jährigen Kasseler verurteilt.

Der junge Mann hatte gestanden, im April vergangenen Jahres eine Spielhalle in Niestetal-Heiligenrode überfallen zu haben. Dabei hatte er der Kassiererin, die gegen zwei Uhr nachts allein in dem Kasino war, ein über 30 Zentimeter langes Brotmesser an die Kehle gehalten und die Herausgabe des Bargeldes gefordert.

Die Beute von 400 Euro hatte der Angeklagte mit drei Komplizen geteilt. Mit ihnen hatte er die Tat minutiös geplant und auch schon vorher Straftaten begangen.

In der vom Vorsitzenden Richter Dreyer mit verständnisvoller Behutsamkeit geführten Verhandlung hatte sich der Angeklagte als konzentrierter, offener und durchaus wortgewandter junger Mann präsentiert.

Dies war wohl nicht immer so, wie es auch in Aussagen einer Vertreterin der Jugendgerichtshilfe und einer Psychiaterin deutlich wurde. Ständig zunehmender Cannabis-Konsum seit dem 16. Lebensjahr hatte den Heranwachsenden zu paranoiden Wahnvorstellungen und an den Rand der Schizophrenie geführt.

In der Dominikanischen Republik geboren, kam er mit zwei Jahren nach Deutschland in ein sehr strenges Elternhaus. Nachdem sein Stiefvater ihn und seine Schwester zur Durchsetzung des Hausarrestes daheim angekettet hatte, schritt das Jugendamt ein, er kam in Heime in Calden und Hessisch Lichtenau. Dort lernte er ein Brüderpaar aus Kaufungen kennen, mit dem er sich stetig steigernde Straftaten beging. Ladendiebstähle und Einbrüche in Sportheime oder bei Heini Weber in Kaufungen steigerten sich bis zum bewaffneten Raubüberfall in Heiligenrode. Dann zog der junge Mann selbst die Reißleine und zeigte sich bei der Polizei an.

Dies rechnete ihm Staatsanwalt Schnitzerling positiv an. Gleichwohl floss in seinen Antrag auf zweieinhalb Jahre Jugendstrafe auch die schlechte Sozialprognose und starke Rückfallgefahr ein, die die Psychiaterin bei fortgesetztem Drogenkonsum vorhersagte. Das sah auch Verteidiger Peter Gros so: „Haschisch und schlechte Gesellschaft haben eine Spirale nach unten in Gang gesetzt, die durchbrochen werden muss.“

Die Strafkammer folgte dieser Einschätzung. Richter Dreyer wies den jungen Mann in eine Entziehungsanstalt ein. Wichtig sei, dass der 20-Jährige auch danach Hilfe zur Lebensplanung und -gestaltung erhalte, um nicht wieder straffällig zu werden. Der Angeklagte nahm das Urteil an, es ist damit rechtskräftig.

Von Thomas Stier

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