Bis zu 1200 Stellen werden in Nordhessen abgebaut

Krise bei SMA: 820 Mitarbeiter wählen die Abfindung

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Niestetal. Alexander Naujoks hat derzeit einen der schwierigsten Jobs in der Region. Denn der Personalleiter des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA muss gemeinsam mit dem Betriebsrat den geplanten Abbau von 1100 bis 1200 der aktuell noch rund 3100 Stellen in Nordhessen umsetzen.

Immerhin: Wie es aussieht, kriegt er das ohne betriebsbedingte Kündigungen hin, weil in 200 Fällen auslaufende Zeitverträge nicht verlängert und 820 Beschäftigte das Unternehmen gegen Abfindungen und unter Wahrung der jeweiligen Kündigungsfristen freiwillig verlassen werden.

Alexander Naujoks

Wie weitere 100 bis 150 Stellen gestrichen werden sollen, ist derweil noch unklar, aber Naujoks gab sich im Gespräch mit der HNA zuversichtlich, „dass wir auch weiterhin ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen“. Zunächst würden gemeinsam mit dem Betriebsrat Einzelgespräche geführt. Der Personalleiter betonte aber, dass „keinerlei Druck auf die Betroffenen ausgeübt wird“. Wer die Abfindung nicht annehme, werde deshalb nicht gekündigt. Außerdem gebe es ja noch die natürliche Fluktuation.

Betriebsratssprecher Martin Breul zeigte sich wie Naujoks erleichtert darüber, dass der notwendige Personalabbau bislang sozialverträglich über die Bühne gehe. Die Arbeitnehmervertretung habe zugestimmt, „weil das Konzept transparent und nachvollziehbar ist und Hand und Fuß hat“. Naujoks attestiert dem Betriebsrat in dieser schwierigen Phase Kompetenz und Kooperationsbereitschaft. „Unser gemeinsames Ziel ist es doch, SMA zu retten, und das geht nur mit einem gezielten Personalabbau, ohne dabei die Zukunftsfähigkeit zu verlieren“, erklärte Naujoks.

Martin Breul

Die ersten abgefundenen Mitarbeiter sind bereits weg, bis Juni/Juli wird der Großteil der Betroffenen gehen. Im Herbst soll die Restrukturierung abgeschlossen sein. Die Höhe der Abfindung nennt das Unternehmen indes nicht. Sie dürfte aber deutlich höher sein als ein halbes Monatsgehalt je Betriebszugehörigkeitsjahr, das Arbeitsgerichte gekündigten Beschäftigten in der Regel zusprechen. Naujoks spricht aber von „vernünftigen, angemessenen Summen“. „Reich wird keiner davon“, sagte er und betonte, dass an der Berufsausbildung nicht gespart werde. Auch künftig werde SMA über Bedarf ausbilden. Derzeit sind 135 Auszubildende im Unternehmen. SMA nimmt 50 Millionen Euro für das Restrukturierungsprogramm in die Hand. Darin enthalten sind aber nicht nur Abfindungszahlungen, sondern auch andere Kosten im Zusammenhang mit dem Umbau.

Nach Angaben von Betriebsrat und Personalabteilung sind SMA in den vergangenen Wochen Hunderte von Stellen kleiner, mittlerer und großer Unternehmen aus allen Branchen angeboten worden. Belastbare Zahlen gibt es derzeit zwar nicht, aber nach Beobachtungen von Arbeitnehmervertretung und Personalreferenten haben die meisten Betroffenen bereits neue Stellen.

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