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Vorstand entlastet: SMA zahlt ein Drittel des Gewinns an Anteilseigner aus

SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon hat auf der Hauptversammlung des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA die Jahresprognose bekräftigt und für 2018 eine Verbesserung der Ertragslage in Aussicht gestellt.

Demnach soll sich der Umsatz in diesem Jahr bei 830 bis 900 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis (Ebit) bei null bis 30 Mio. Euro einpendeln. Wie berichtet, erzielte SMA 2016 einen Umsatz von 946,7 Mio. sowie ein Ebit von 64,8 Mio. Euro.

Nach einer sehr harmonischen Debatte, in der die ansonsten nicht zimperlichen Aktionärsschützer Urbon, dessen Vorstandskollegen und die gesamte Belegschaft für ein erfolgreiches Jahr in schwierigen Zeiten lobten, stimmte die Hauptversammlung dem Dividendenvorschlag von 26 (Vorjahr: 14) Cent je Aktie zu. Demnach schüttet SMA neun Mio. Euro an die Anteilseigner aus und damit ein Drittel des Reingewinns von fast 30 Mio. Euro.

Pierre-Pascal Urbon

Das ist keine Selbstverständlichkeit in der seit Jahren kriselnden Solarbranche. SMA ist praktisch der einzige Überlebende des einst florierenden Wirtschaftszweigs. Erst unlängst hat Solarworld Insolvenzantrag gestellt.

Im kommenden Jahr wollen die Niestetaler mit neuen Produkten, innovativen Energie-Management-Systemen und noch mehr Service gegen die Preisdrücker aus Fernost punkten.

Viel Lob für den Vorstand

Die Stimmung in der Hauptversammlung von SMA am gestrigen Dienstag in der Kasseler Stadthalle war wie das Wetter: allenthalben eitel Sonnenschein. Selbst die Aktionärsschützer, die keine Gelegenheit auslassen, dem Vorstand an die Karre zu fahren, machten auf Kuschelkurs und überschütteten das Management um Vorstandssprecher Pierre-Pascal-Urbon mit Lob.

Professor Roland Klose von der Schutzvereingung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete SMA mit Blick auf den beispiellosen Niedergang der Branche als „das Unternehmen, das wie kein anderes die Solarwirtschaft in Deutschland, Europa und in der Welt verkörpert“. SMA sei es gelungen, sich dem Sog der Abwärtsspirale mit innovativen Produkten zu entziehen. „Gleichwohl bleibt das Risiko unser ständiger Begleiter“, sagte Klose mit Blick auf chinesische Billiganbieter, die mit Dumping-Preisen versuchen, andere Marktteilnehmer zu verdrängen. Und Kloses Kollege von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Christian Rettkowski, sprach von „beeindruckenden Zahlen“.

Aufsichtratschef Dr. Erik Ehrentraut dankte Urbon sogar für dessen „großartigen Einsatz“. Er habe „schwerwiegende und weitreichende Entscheidungen rasch und vorbildlich“ getroffen, sagte er und nannte die Schließung der Produktionsstandorte in den USA und Südafrika zugunsten des Unternehmenssitzes.

Zuvor hatte Urbon in seiner mit viel Beifall bedachten Rede die Zukunftsstrategie für die kommenden Jahre aufgezeigt. Demnach wird sich SMA von einem nahezu reinen Produktionsunternehmen zu einem Energiedienstleister wandeln. Konkret: SMA will künftig nicht nur solare Kraftwerke betreiben und mit Daten handeln, sondern Energie-Management-Systeme anbieten, mit denen etwa Supermarkt-Ketten Produktion und Verbrauch sowie Ein- und Verkauf optimieren können.

Das bedeutet aber keineswegs den Abschied von Wechselrichtern – jenen technischen Herzstücken von Solaranlagen, die in Fotozellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln. Ganz im Gegenteil: Die vernetzten, intelligenten Geräte sind in Verbindung mit ausgeklügelter Wetterprognose- und Speichertechnik der Schlüssel für den Einsatz von Energie-Managern. Anlagenbetreiber können künftig Strom zum Nulltarif kaufen, wenn das Netz verstopft ist, und selbst produzierte Energie teuer verkaufen, wenn sie anderorts gebraucht wird. Die Grenze zwischen Erzeugern und Verbrauchern schwindet zusehends.

Der reine Wechselrichtermarkt bleibt derweil schwierig. Zwar steigt die weltweite Nachfrage nach Solartechnik beständig, aber die Chinesen fluten die Märkte mit Geräten zu staatlich subventionierten Niedrigstpreisen. Im vergangenen Jahr sanken die Preise um 20 Prozent, und Urbon geht von einer ähnlichen Entwicklung auch in diesem Jahr aus. „Es gibt kein anderes Unternehmen, das sich so schnell und kraftvoll auf die starken Veränderungen im Markt einstellt. Wir passen unser Geschäftsmodell immer wieder an“, sagte Urbon.

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