Schadstoffcocktail war in der Luft

Nach Großbrand in Sandershausen: Rätsel um Asbest

Achtung, Asbest: Der Eigentümer der ausgebrannten Autowerkstatt (im Hintergrund) hat Schilder angebracht, die vor gesundheitsschädlichem Asbest warnen. Foto: Schindler

Niestetal. Nach dem Großbrand in Niestetal hängt  noch Brandgeruch in der Luft. Der Schadstoffcocktail, der in der Brandnacht in die Luft geblasen wurde, könnte nicht ungefährlich gewesen sein.

Das zumindest legen die Warnschilder nahe, die jetzt am Zaun rund um das Gelände der ausgebrannten Autowerkstatt angebracht wurden: „Asbest - Betreten verboten" ist darauf zu lesen. Die Schilder habe der Eigentümer aufgehängt, teilte ein Mitarbeiter der Werkstatt auf Anfrage der HNA mit.

Auf dem Grundstück selbst sind mehrere junge Männer mit Aufräumarbeiten beschäftigt. In T-Shirts sortieren sie Metallschrott und verkohlte Dachbalken - die Unterkonstruktion für das zum großen Teil eingestürzte Eternitdach.

Wellenprofildächer aus Eternit bestanden in früheren Jahren unter anderem aus gesundheitsgefährdendem Asbest, heute allerdings nicht mehr. War in dem alten Hallendach, das von den Flammen größtenteils zerstört wurde, Asbest enthalten? Das weiß niemand. Denn die Feuerwehr-Einsatzleitung hielt Messungen in der Brandnacht für unnötig. Und auch später wurde nicht gemessen.

Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) erklärt auf Anfrage, die Gemeinde sei nicht zuständig. Und: „Ich verlasse mich darauf, dass der Landkreis die erforderlichen Maßnahmen trifft oder getroffen hat“, so der Niestetaler Verwaltungschef.

„Vom jetzigen Zustand geht keine Gefährdung aus“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn, der auch für die Bauaufsicht spricht. Warum der Eigentümer die Schilder aufstellen ließ, wisse er nicht. Der Landkreis als Aufsichtsbehörde habe dies jedenfalls nicht angeordnet.

„Ich sehe keine Gefährdung, sonst müssten und würden wir sofort handeln“, so der Kreissprecher weiter. Er habe auch „grundsätzliches Zutrauen“ in die Entscheidungen der Feuerwehr, „die wissen sehr genau, was sie tun“.

Die Kreisverwaltung habe inzwischen mit dem Eigentümer gesprochen. Der wolle die Brandruine in Kürze abreißen lassen, der Abbruchantrag sei bereits gestellt. Der Kreis werde den Abriss genehmigen mit der Auflage, dass der Eigentümer eine Fachfirma beauftrage, die sowohl den Arbeitsschutz für die Mitarbeiter sicherstelle als auch gesundheitliche Auswirkungen auf Dritte ausschließe. Auch das Regierungspräsidium Kassel solle wegen möglicher Kontamination des Abbruchmaterials eingebunden werden, sagte Kühlborn.

Beim Regierungspräsidium Kassel sieht man derzeit noch keinen Handlungsbedarf. Der Eigentümer sei für die Sicherung des Geländes zuständig und müsse die sachgerechte Entsorgung sicherstellen, sagte RP-Sprecher Michael Conrad.

Großbrand in Sandershausen: Blick von oben auf die Ruine

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