Mysteriöse Nagespuren

Nagt der Biber nun in der Nieste bei Niestetal?

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Biberspuren?: Die Holzscheite neben dem Baumstamm sind ein Indiz für den Nager.

Niestetal. Mysteriöse Nagespuren am Nieste-Ufer in Niestetal deuten darauf hin, dass hier ein Biber wohnt. Wir haben bei NABU und dem RP Kassel nachgefragt, wie sicher das ist. 

Dustin Hanse aus Sandershausen hat die Fraßspuren entdeckt – der Verursacher bleibt aber bislang unerkannt: Seit Mitte Dezember beobachtet Hanse wie die Schäden an den Bäumen zunehmen.

„Ich entdecke täglich neu abgenagte Rinde. Bis jetzt sind drei Bäume umgefallen“ sagt er. Daher vermutet Hanse auch, dass es sich um das Werk eines Bibers handelt. Mark Harthun vom Naturschutzbund (NABU) Hessen kann das bestätigen: Die vielen Holzscheite neben dem Baum deuten auf einen Biber hin. In der Nieste handele es sich vermutlich um ein Einzeltier, da eine Familie mehr Spuren hinterlassen würde, erklärt Harthun.

Momentan gibt es im Landkreis Kassel einen Biber oder eventuell ein Pärchen. Das ist laut dem NABU-Biberbeauftragten Hans-Jürgen Schwabe nicht ganz klar. Da sich der oder die Biber in der Fulda aufhalten, wäre es also durchaus möglich, dass dieser Biber in die Nieste geschwommen ist.

Ein Biber in Niestetal?: Wir haben nachgefragt.

Biberreviere können laut Schwabe eine Länge von etwa zwei Kilometern haben. Jungtiere wandern sogar bis zu 50 Kilometer weit. Auch um einen solchen Pionier könnte es sich hier also handeln.

Den Biber selbst hat in der Nieste noch niemand gesehen. Das liegt auch daran, dass die Nager grundsätzlich menschenscheu und nachtaktiv sind: Axel Krügener vom Regierungspräsidium Kassel erklärt außerdem: „Biberspuren findet man häufig nur im Winter, da der Biber dann Äste annagt.“ 

Im Sommer ernähre er sich von Wasserpflanzen und sei deswegen unauffälliger unterwegs. Obwohl die Tiere etwa 30 Kilogramm schwer werden und eine Körpergröße von einem Meter und eine Schwanzlänge von 40 Zentimetern erreichen, werden sie nur selten gesichtet. Das könnte sich aber bald ändern.

Rund 400 Jahre lang galt der Biber in der Region als ausgestorben. Nach Angaben von Krügener hat er sich nach seiner Auswilderung im südhessischen Sinntal in den 80er-Jahren nur langsam vermehrt. In zehn bis 15 Jahren aber werde die Entdeckung von Biberspuren keine Sensation mehr sein. Die Nager hätten sich dann so stark vermehrt, dass ihre Existenz für den Menschen wieder zur Gewohnheit werde.

Krügener will zum Ende des Winters selbst nach Biberspuren suchen: „Man findet wenige Biber, aber sie sind da“ – wie möglicherweise ein Exemplar in der Nieste in Sandershausen.

Von Jule Kettelhoit

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