"Bei Digitalisierung nicht locker lassen"

Neuer Vize-Landrat Andreas Siebert im Interview: "Ich bin Überzeugungstäter"

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Wahl in in der Mehrzweckhalle Frommershausen: (von links) Landrat Uwe Schmidt (SPD), neuer Vize-Landrat Andreas Siebert (SPD), derzeitige Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) sowie der Kreistagsvorsitzender Andreas Güttler (SPD). 

Kreis Kassel. Seit Donnerstagnachmittag steht fest: Andreas Siebert (SPD) – noch Bürgermeister der Gemeinde Niestetal – ist ab 1. Mai Vize-Landrat.

Er folgt auf die bisherige Erste Kreisbeigeordnete Susanne Selbert, die Chefin des Landeswohlfahrtsverbands (LWV) wird. Mit 49 Stimmen hat sich Siebert gegen den CDU-Kandidaten Stephan Klapp (30 Stimmen) durchgesetzt. Wir haben mit dem 47-Jährigen über seine Pläne für das neue Amt gesprochen.

Herr Siebert, Glückwunsch zu Ihrer Wahl. Haben Sie mit diesem Ausgang gerechnet?

Andreas Siebert: Die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag sind ja bekannt. Sicherlich war mit der Nominierung durch die Kreis-SPD die Chance sehr hoch, dass ich heute gewählt werde.

Warum glauben Sie, der richtige Nachfolger für Frau Selbert zu sein?

Siebert: Als Kind dieses Landkreises bin ich ein Überzeugungstäter: Ich will für den Landkreis etwas Gutes tun. Und mit meinen zwölf Jahren als Niestetaler Bürgermeister bringe ich gute Grundlagen mit, was die Verwaltungserfahrung betrifft. Gleichzeitig möchte ich daran mitwirken, den Landkreis weiterzuentwickeln.

Wie könnte das konkret aussehen?

Siebert: Beim Thema Digitalisierung dürfen wir absolut nicht locker lassen. Das gilt ebenso für die Verwaltung. Auch der Landkreis Kassel muss sich weiterentwickeln, da gibt es noch viel zu tun. Diesem Thema würde ich mich gerne annehmen.

Auch der Wohnungsbau ist ein großes Thema. Wir haben ja nicht nur in der Gemeinde Niestetal Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Das gilt für den ganzen Landkreis, natürlich mit unterschiedlicher Gewichtung. Was hier wichtig ist: Wir müssen auch schauen, wie sich die Gemeinden entwickeln. Da gehört auch der komplette Komplex der wohnortnahen Versorgung dazu. Je weiter wir von Kassel wegkommen, umso schwieriger ist es. Aufgabe des Landkreises ist es, den Kommunen da unter die Arme zu greifen. Wir dürfen nichts unversucht lassen.

Wie geht es für Sie als Vize-Landrat weiter?

Siebert: Ab dem 1. Mai bin ich im Amt als Erster Kreisbeigeordneter. Der Landrat entscheidet, für welche Bereiche ich zuständig bin. Das klärt sich in den nächsten Tagen. Ich stehe für ein paar Themen, aber in letzter Konsequenz entscheidet Uwe Schmidt.

Was im Landkreis muss sich schleunigst ändern?

Siebert: Die Themen sind schon richtig identifiziert: Wohnraumversorgung, Digitalisierung, ärztliche Versorgung, ÖPNV. Bei einigen Themen kann der Landkreis aber nur den Finger in die Wunde legen, weil andere die Entscheidungsträger sind. Doch dort, wo man es steuern kann, versuche ich Impulse einzubringen.

Welches Thema liegt Ihnen besonders am Herzen?

Siebert: Ein absolutes Herzensthema ist – aufgrund eigener Betroffenheit – Inklusion in der Schule. Damit müssen wir uns noch intensiver beschäftigen. Da weiß ich als Vater, wo es hakt. Ich werde nicht locker lassen, alles das, was in meiner Macht steht, zum Wohle der Kinder zu verbessern.

Wo hakt es denn?

Siebert: Insbesondere bei den Übergängen: vom Kindergarten zur Grundschule, von Grundschule zur weiterführenden Schule, von der weiterführenden Schule zur Berufsschule. Es ist schon viel Gutes erreicht, aber da müssen wir noch weiter dran arbeiten. Die Kinder sollten uns das wert sein.

Inwiefern ist der Posten als Vize-Landrat attraktiver als der des Bürgermeisters in Niestetal?

Siebert: Man sollte das nicht gegeneinander aufwiegen. Darum geht es mir auch gar nicht. Ich durfte zwölf Jahre Bürgermeister sein in der Gemeinde, in der ich gelernt habe und in der ich groß geworden bin. Für mich ist das ganz einfach ein weiterer Entwicklungsschritt. Ich freue mich darauf.

Worauf denn am meisten?

Siebert: Auf die neuen Aufgaben. Bürgermeister sind Generalisten, sie sind für alles zuständig. Das ist beim Landkreis anders: Da gibt es die klare Dezernatzuteilung. Außerdem ist man als Erster Kreisbeigeordneter in all den 29 Städten und Gemeinden des Landkreises fleißig unterwegs. Auch darauf freue ich mich.

Die Gemeinde Niestetal hat 200 Mitarbeiter, beim Landkreis sind es um die 1600. Bereitet Ihnen die größere Verantwortung Bauchschmerzen?

Siebert: Nein, aber natürlich habe ich Respekt vor der Aufgabe. Doch ich bin es gewohnt, mich jeden Tag vielen Themen anzunehmen. Von daher bringe ich die Grundlagen dazu mit. Der Rest wird sich zeigen.

Was aus Ihrem Alltag als Bürgermeister werden Sie am meisten vermissen?

Siebert: Die kurzen Wege zur Arbeit (lacht). Ich hoffe, dass ich weiterhin in engem Kontakt mit der Bevölkerung stehe. Ob die Gespräche nun positiv oder negativ waren: In letzter Konsequenz bin ich gerne mit Menschen zusammen.

Wie sieht der Landkreis Kassel in fünf Jahren aus?

Siebert: Der Landkreis wird ein modernes Dienstleistungsunternehmen sein. Das setzt voraus, dass wir die technischen Voraussetzungen dafür schaffen. Und ganz wichtig: Wir müssen auch die Mitarbeiter mitnehmen. Denn Aus- und Fortbildung dürfen nicht vergessen werden.

Heißt der Landrat in fünf Jahren nicht mehr Uwe Schmidt, sondern womöglich Andreas Siebert?

Siebert: Ich bin 47 Jahre alt und freue mich über meine Wahl zum Ersten Kreisbeigeordneten.

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