Grüne: Automaten sind auch Werbeträger - Pachteinnahmen sind zudem gering

Niestetal baut Zigarettenautomaten ab und folgt damit bundesweitem Trend

+

Niestetal. In Niestetal könnte schon bald kein einziger Zigarettenautomat mehr stehen – zumindest auf gemeindeeigenen Grundstücken.

Jüngst hatte die Fraktion der Grünen im Niestetaler Gemeindeparlament den Abbau der Automaten gefordert und bekam die Zustimmung der Gemeindevertreter.

Naht das Ende der Zigarettenautomaten? Bodo Achilles, Geschäftsführer der Tabakwaren-Union aus Nörten-Hardenberg (Landkreis Northeim), schließt das nicht grundsätzlich aus. Das Geschäft mit den Zigarettenautomaten sei über die Jahre stagniert. Der Marktanteil habe sich von 40, 50 Prozent auf einen stabilen Anteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz bewegt. Wie Gemeinden damit umgehen, sei äußerst unterschiedlich. „Manche kommen auf uns zu, weil die Versorgungslage auf dem Land zum Beispiel schlecht ist.“ Zum Vergleich: Auf öffentlichen Flächen der Stadt Kassel gibt es keinen einzigen Zigarettenautomaten.

300.000 Automaten bundesweit

In Niestetal soll ein Automat am Wichtelbrunnenbad in Sandershausen demnächst abgebaut werden, weitere sollen folgen. Die Gemeinde müsse nach dem Grünen-Antrag erst einmal prüfen, wo noch Automaten stehen, sagt Verwaltungssprecherin Heike Pflüger. „Da es sich um ausgesprochen alte Vertragsvereinbarungen handelt und die Aufstellerfirmen seither mehrfach Inhaber und Namen geändert haben, ist die Klärung schwierig und zeitaufwendig.“ Ein Zigarettenautomat im Eingangsbereich der Mehrzweckhalle war bereits im Sommer wegen Umbauarbeiten abgebaut worden.

Hintergrund des Grünen-Antrags war die Überzeugung, dass ein Automat auch eine Werbemaßnahme ist. „Grundsätzlich sollte Werbung für Suchtmittel nicht an öffentliche Orte gehören, die von Jugendlichen genutzt werden“, sagt Barbara Elsas, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Bei Automaten sei nicht nachvollziehbar, ob sie nicht doch verbotenerweise von Jugendlichen angesteuert werden. Und: Steht der Automat auf einem gemeindeeigenen Grundstück, erhalte die Gemeinde Pachteinnahmen für etwas, das gesundheitsschädlich ist, so Elsas. Die Pachteinnahmen für einen Zigarettenautomat seien „verschwindend gering“, sagt Pflüger. Laut Achilles von der Tabakwaren-Union richten sich diese nach den Satzungen der Gemeinden.

Die meisten der bundesweit etwa 300 000 Automaten stehen allerdings auf Privatgrundstücken. Hier erhalten die Grundstückseigentümer die Pachteinnahmen. Zu der Höhe wollte sich Achilles nicht äußern. Ob ein Automat stehen bleibt oder ob einer neu aufgebaut wird, richte sich unter anderem nach dem (zu erwartenden) Umsatz. „Hier prüfen wir den Standort, als wäre es ein kleiner Einzelhandel.“ Die Gemeinde jedenfalls habe da nichts mitzureden, erklärt Heike Pflüger.

Für Helmut Zahnwetzer, Inhaber des Presselädchens an der Hannoverschen Straße in Sandershausen, haben Automaten ihre Funktion verloren. „Früher war das mal anders“, erinnert er sich. Da hätten die Läden aber auch früher Feierabend gemacht. Der Zigarettenautomat war dann die einzige Möglichkeit, seine Sucht zu befriedigen. Neben seinem Geschäft gebe auch noch weitere Tabakwarenläden in Niestetal – und mittlerweile hätten ja selbst die Discounter ein Zigarettensortiment, das über Eigenmarken hinausgeht. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.