Umbau zum Energiedienstleister

Niestetaler Solartechnik-Hersteller SMA rüstet sich für die Zukunft

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Der Solartechnikhersteller SMA in Niestetal 

Niestetal. Der Niestetaler Solartechnik-Hersteller SMA hat seinen Reingewinn 2017 trotz eines Umsatzrückgangs von sechs Prozent auf 891 Millionen Euro geringfügig gesteigert.

Aktualisiert: 29. März, 9.32 Uhr - Der Gewinn stieg auf 30,1 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt  mit.  Im Vorjahr war unterm Strich eine halbe Mio. weniger übrig geblieben. Von der guten Entwicklung sollen auch die Aktionäre profitieren. Der Vorstand schlägt eine Dividende von 35 Cent je Aktie vor – neun Cent mehr als für 2016.

Grund für den Umsatzrückgang ist ein rückläufiges Großprojekt-Geschäft in den USA sowie der anhaltende Preisdruck auf dem Weltmarkt infolge chinesischer Billiganbieter, die mit staatlicher Hilfe die Märkte mit Ware zu Dumping-Preisen fluten.

2018 könnte Marke von einer Millliarde Euro Umsatz geknackt werden

Unterdessen ist der Weltmarkt- und Technologieführer für Wechselrichter, die in Solaranlagen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln, gut ins neue Jahr gestartet. Für das erste Quartal erwartet SMA mehr Umsatz und Gewinn, und fürs Gesamtjahr bekräftigten Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon und Finanzchef Ulrich Hadding ihre Prognose: bis zu eine Milliarde Euro Umsatz und 40 bis 60 Mio. Euro Vorsteuergewinn.

Während also der frühere Superstar und Solarworld-Chef Frank Asbeck gestern in Bonn den mittlerweile dritten Insolvenzantrag für das einstige Vorzeige-Unternehmen der Branche stellte, versprühten Urbon und Hadding Zuversicht. Viel wichtiger als die zum Teil bekannten Zahlen war dabei der Ausblick Urbons auf die überschaubare Zukunft. Und die ist – glaubt man dem umtriebigen SMA-Chef und führenden Forschungsinstituten wie etwa der Fraunhofer-Gesellschaft – vielversprechend. Denn SMA ist dabei, sich vom reinen Solartechnik-Hersteller zum integrierten Energiedienstleister, Datenhändler, Solarpark-Betreiber und Servicepartner zu wandeln, der alles aus einer Hand bietet.

Eigenstrom ins Netz einspeisen

Das Zauberwort in diesem Zusammenhang lautet Sektorenkopplung. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich die zunehmende Vernetzung mehrerer Energie-Arten wie Grünstrom und Gas mit Verbrauchern, die völlig unterschiedliche Bedarfe haben – etwa Klima, Kälte, Wärme, Warmwasserbereitung und Strom. „Dadurch wird die Energiewende sehr komplex, und genau das finden wir sexy, weil wir Komplexität können“, erklärt Urbon. SMA biete passgenaue Lösungen für die Energiewirtschaft der Zukunft an – vom Wechselrichter, der die notwendigen Daten für alle nachgeschalteten Geschäftsbereiche liefere, über die Verbrauchsoptimierung bis hin zum Handel.

Künftig sollen Solarstromer mithilfe von intelligenten Speichern und Digitaltechnik von SMA Eigenstrom verkaufen, wenn er teuer ist, und bei Bedarf Billigstrom aus dem Netz ziehen, wenn er wenig kostet. Zielgruppen sind Supermarktketten, große landwirtschaftliche Betriebe, Mittelständler, Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaften. Weltweit ein Milliardenmarkt, von dem sich SMA ein ordentliches Stück sichern will.

Dass die Niestetaler trotz guter Zahlen und eines positiven Ausblicks gestern mit einem Kursminus von elf Prozent auf 47,40 Euro von den Märkten abgestraft wurden, begründeten einige Händler mit Gewinnmitnahmen. Denn in den letzten sechs Monaten hatten die Titel zeitweise um mehr als 60 Prozent zugelegt.

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