Am Samstag wird er gefällt

Niestetaler Tannenbaum schmückt Kasseler Weihnachtsmarkt

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Niestetal. Noch steht die Nordmanntanne im Garten von Gisela (69) und Paul Frautschi (78). Am Samstag zieht sie um und wird von Montag, 21. November bis Freitag, 30. Dezember zum höchsten Punkt des Kasseler Märchenweihnachtsmarktes.

Er ist 18 Meter hoch, dicht gewachsen und seine Wurzeln haben bereits den Pfeiler eines Gartenzauns zerstört: „Der Baum hat uns aus dem Garten verdrängt“, sagt Paul Frautschi, der die Nordmanntanne Ende der 70er-Jahre gepflanzt hat. An gleicher Stelle haben davor drei Birken gestanden. „Die haben die Eigenschaft, rasend schnell zu wachsen.“ Ständig habe er Berge von Laub entfernen müssen. Als ihm das zu viel wurde, schlug er die Bäume ab und setze in das Loch eine 1,50 Meter hohe Tanne. „Da muss sie schon sieben, acht Jahre alt gewesen sein.“

Ender der 70er gepflanzt

Die im Boden verbliebenen Wurzelreste trugen offenbar zu einem rapiden Wachstum bei: 50 bis 60 Zentimeter sei sie anfangs pro Jahr gewachsen, erinnern sich die Frautschis. Deren beiden Söhne Thomas und Christian waren beim Kauf der Tanne zehn und vier Jahre alt und so wurde die Tanne wegen ihrer präsenten Position im Garten zum Weihnachtsbaum, den die Söhne jedes Jahr schmückten.

Nach fünf Jahren habe man gerade noch so mit der längsten Leiter die Spitze erreicht. Und irgendwann war auch die Lichterkette nicht mehr lang genug, um ihn zu schmücken. „Man konnte der Tanne beim Wachsen zusehen“, sagt Paul Frautschi.

Das Haus wurde zu einer Höhle, weil der dichte Baum einen Schatten warf. Und schließlich brachte die Tanne auch den Hausbaum der Frautschis in Gefahr: Die Walnuss aus Südtirol – der Traumbaum von Paul Frautschi. „Die Tanne nahm der Walnuss Licht und Wasser.“ Mit ihrer Höhe stellte sie zudem ein Risiko bei Sturm oder Gewitter dar – für das Haus, aber auch für die Kinder, die auf dem Schulweg das Grundstück passieren.

„Ich konnte mich erst nicht von der Tanne trennen“ 

Als der heute in der Schweiz wohnende Sohn auf hna.de vor einigen Wochen den Aufruf las, dass die Stadt einen Baum für den Weihnachtsmarkt sucht, habe er seine Eltern sofort informiert. Diese Art der Weiterverwendung schien der Familie würdiger, als die Tanne Stück für Stück zu zerkleinern und zu Brennholz zu verarbeiten. Und siehe da: Die fast 40 Jahre alte Tanne wurde aus vielen Bewerbern ausgewählt.

Zwei Tage lang können Gisela und Paul Frautschi nun noch ihre hochgewachsene Tanne betrachten. Leicht fällt ihnen der Abschied nicht: „Wir mögen unseren Garten sehr und haben auch eine Verbindung zu den Bäumen und Pflanzen“, schwärmt Gisela Frautschi. Wie sehr sie an der Tanne hängt, zeigte sich vor einigen Jahren, als die Tanne an die Gemeinde abgegeben werden sollte. Doch als es soweit war und die Arbeiter mit Geräten anrückten, schritt Gisela Frautschi ein: „Ich konnte mich erst nicht von ihr trennen“. Das sei jetzt anders. Mit dem neuen Platz auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt finde der Baum eine würdige Verwendung, ist sich das Ehepaar einig. Zum Abschied am Samstag werden auch ihre drei Enkelkinder kommen: „Das wird ein Mordsspektakel“. 

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