Siebert ist ab 1. Mai als Vize-Landrat tätig

Niestetals Bürgermeister Andreas Siebert geht nach zwölf Jahren: „Mehr als nur ein Jobwechsel“

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Wechselt vom Niestetaler Rathaus ins Kreishaus: Andreas Siebert war zwölf Jahre lang Bürgermeister, ab 1. Mai tritt er seine neue Stelle als Vize-Landrat an. Das Bild zeigt den 47-Jährigen kurz nach seiner Wahl zum Ersten Kreisbeigeordneten.

Niestetal. Seine Stunden im Niestetaler Rathaus sind gezählt: Andreas Siebert (SPD) wechselt nach zwölf Jahren als Bürgermeister ins Kreishaus. Wir haben mit ihm über seine Zeit als Rathauschef gesprochen.

Andreas Siebert war die vergangenen zwölf Jahre Bürgermeister der knapp 11.000 Einwohner großen Gemeinde. Zum 1. Mai wechselt der SPD-Politiker als Vize-Landrat ins Kreishaus. Er folgt auf die bisherige Erste Kreisbeigeordnete Susanne Selbert (SPD), die nun Chefin des Landeswohlfahrtsverbands (LWV) ist. Wir haben mit dem 47-Jährigen über seine Zeit als Rathauschef gesprochen.

Herr Siebert, wie schwer fällt es Ihnen, das Bürgermeisteramt nach zwölf Jahren hinter sich zu lassen?

Andreas Siebert: Es ist für mich schon mehr als ein Jobwechsel. Schließlich bin ich seit 32 Jahren hier im Niestetaler Rathaus beschäftigt und habe mein ganzes Berufsleben hier in der Verwaltung verbracht. Das ist schon ein ziemlich emotionaler Vorgang.

Vermutlich haben Sie nicht alle Ihre Vorhaben als Bürgermeister umsetzen können. Welche Punkte sind noch offen auf der Agenda?

Siebert: Ich wäre gerne ins Becken des neuen Schwimmbads gesprungen (lacht). Und was ich noch sehr gerne direkt begleitet hätte: den Umbau unserer Feuerwehrwache.

Wie sollen die Niestetaler Sie als Bürgermeister in Erinnerung behalten?

Siebert: Das mag sich jeder selber ausdenken. Man kann es sicherlich nicht allen recht machen, das ist mir völlig klar. Familienpolitik von Jung bis Alt war die ganzen Jahre mein Steckenpferd und das ist es immer noch. Ich glaube, da haben wir vieles Gutes erreicht und auch konkret umgesetzt. Das fängt bei den Kindergärten an und geht über die Sozialarbeit in der Wilhelm-Leuschner-Schule und das gute Miteinander mit den Grundschulen – ein gutes Netzwerk vor Ort halte ich für wichtig. Was auch gerne mal vergessen wird: Als ich vor zwölf Jahren hier als Bürgermeister angefangen habe, hatten wir kein Seniorenheim. Mittlerweile haben wir zwei. Es gibt viele Projekte, die sind gut gelaufen und es gibt einige wenige, die aus heutiger Sicht vielleicht nicht ganz so gut gelaufen sind.

Zum Beispiel?

Siebert: Ich denke da an den Rathausvorplatz. Die Grundidee eines schönen Platzes in der Ortsmitte, auf dem man sich gern aufhält, konnte aufgrund der Steuereinnahmeausfälle ab 2012 nicht vollständig realisiert werden. Diese Maßnahme musste ich leider stoppen.

Und wie behalten Sie Ihre politische Arbeit in Niestetal in Erinnerung?

Siebert: In der Niestetaler Gemeindevertretung wurden in den vergangenen zwölf Jahren alle Großthemen einvernehmlich verabschiedet – und darauf bin ich stolz, trotz politischer Unterschiede. Eines unterstelle ich aber jedem Kommunalpolitiker: Er will seine Gemeinde voranbringen. Wenn man vernünftig erklärt, wieso, weshalb, warum man diese Entscheidung so treffen sollte, dann kriegt man auch die Mitstreiter dafür. Das ist ein anstrengender Weg – verbunden mit sehr vielen Gesprächen – aber es lohnt sich.

Wie würden Sie Ihre zwölfjährige Amtszeit mit einer Schulnote selbst bewerten?

Siebert:Ich verweigere die Aussage (lacht). Jeder macht sich ja sein eigenes Bild. Was mir immer wichtig war: Versuchen, möglichst breit zu informieren, damit keine Protestkultur entsteht. Nehmen wir als Beispiel den Sanderhäuser Berg, ein riesiges Bauprojekt für die Gemeinde. Dort ist das Vorhaben gelungen, ohne dass sich Bürgerinitiativen gegründet haben. Weil wir im Rathaus durch Information zu einer hohen Akzeptanz beigetragen haben. Ich hoffe, dass ich diese Transparenz auch als Vize-Landrat im Kreishaus weiter verfolgen kann.

Werner Nicolaus (SPD), Erster Beigeordneter im Niestetaler Gemeindevorstand, übernimmt Ihren Bürgermeisterposten für die nächsten Wochen kommissarisch. Trauen Sie ihm die Aufgabe zu?

Siebert:Wir kennen uns sehr gut, sind sogar befreundet. Werner Nicolaus hat die entsprechende Erfahrung und wir reden ja über eine absehbare Zeit. Und die Mitarbeiter im Rathaus werden ihn gut unterstützen.

Am 3. Juni wird in Niestetal gewählt. Mit Florian Brinckmann (parteilos), Marcel Brückmann (SPD) und Marco Diezmann (CDU) stehen drei Kandidaten zur Wahl. Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf dem Weg?

Siebert:Den Rathaus-Mitarbeitern gut zuhören, das Ohr stets in die Bevölkerung halten und sich dann seine eigene Meinung bilden – losgelöst von dem, was andere meinen, was man machen müsste. Jeder muss sich selber finden. Man läuft vermutlich auch in manche Sackgassen, aber das ist in jedem Beruf so. 

Zur Person:

Der Kommunalpolitiker ist am 3. Juni 1970 (jetzt 47 Jahre) in Kassel geboren und in Niestetal aufgewachsen. Bevor er im Oktober 2006 Bürgermeister wurde, arbeitete er seit 1989 als Verwaltungsangestellter in der  dortigen Gemeindeverwaltung. Erste kommunal-politische Erfahrungen sammelte Siebert in Schauenburg, von 2001 bis 2006 war er Kreistags-Mitglied des Landkreises Kassel. Am 1. Mai 2018 wechselt er vom Rat- ins Kreishaus: Dort ist er als Vize-Landrat tätig. Siebert ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter zwischen 13 und 20 Jahren. Er ist aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Niestetal.

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