Hilflosigkeit ausgenutzt

Pflegedienstlerin stahl 83-jähriger Niestetalerin 35.500 Euro

Niestetal. Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten mit drei Jahren Bewährung verurteilte das Amtsgericht Kassel am Donnerstag eine Frau aus dem Kreis Kassel.

Sie hatte einer 83-Jährigen 35.500 Euro gestohlen.

Richter Nikolas Hecht blieb mit seinem Urteil drei Monate unter der Forderung der Amtsanwältin Sarah Keim, die auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten plädiert hatte.

Die Angeklagte habe die Hilflosigkeit der 83-Jährigen ausgenutzt, hieß es in der Urteilsbegründung zu dem Diebstahl, der als besonders schwerer Fall eingestuft wurde. Positiv wertete der Richter, dass sich die 40-jährige gebürtige Rumänin geständig zeigte, nach ihren Möglichkeiten bereits eine Wiedergutmachung leistete und bisher ein unbeschriebenes Blatt ist, was Vorstrafen angeht.

Im Auftrag ihres Arbeitgebers, eines Pflegedienstes, versorgte die 40-Jährige auch die 83-jährige Dame aus Niestetal, die körperlich stark eingeschränkt und stark schwerhörig ist. Als sie am 3. Juni vergangenen Jahres als Pflegekraft in die Wohnung der 83-Jährigen kam, holte sie etwas aus dem Abstellraum in der Wohnung, in dem Material für Pflegebedarf und auch Mineralwasser aufbewahrt wurden. Dabei entdeckte sie den Beutel mit dem Geld. Sie habe ihre Arbeit verrichtet, ging anschließend noch einmal in den Abstellraum, holte 35 000 Euro aus dem Beutel und nahm das Geld mit nach Hause. Vier Wochen später klaute sie weitere 500 Euro.

„Ich bereue es zutiefst. Es tut mir echt leid, dass ich das getan habe“, beteuerte die Angeklagte, die während der Verhandlung mehrmals mit den Tränen zu kämpfen hatte. „Ich hatte einen Blackout“, sagte sie. Erst bei der polizeilichen Wohnungsdurchsuchung will sie realisiert haben, was geschehen sei. „Ich schäme mich so.“

Drei Handys - ein I-Phone 5s und jeweils ein Samsung S5-Smartphone für die beiden Kinder -, einen Staubsauger und 1600 Liter Heizöl hatte sie mit dem Geld finanziert. Zum Kauf eines neuen Autos kam es nicht mehr, denn vier Wochen nach dem Diebstahl durchsuchte die Polizei ihre Wohnung.

25 000 Euro und die gekauften Waren wurden sichergestellt. Zum Jahreswechsel überwies die inzwischen arbeitslose Frau 500 Euro vom Weihnachtsgeld ihres Mannes an die Geschädigte und später weitere 150 Euro.

Laut dem Urteil muss die Angeklagte, die seit 1996 in Deutschland lebt, ihre Schulden in Höhe von 9700 Euro in Raten von monatlich mindestens 150 Euro zurückzahlen, auch die Kosten des Verfahrens hat sie zu tragen. (zal)

Rubriklistenbild: © dpa

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