Wie die Fußballer den Schicksalsschlag verarbeiten

TSG Sandershausen: Jetzt spielen sie für ihren toten Kapitän

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Im Kopf und im Herzen seiner früheren Mitspieler weiter mit dabei: Die Sandershäuser Gruppenliga-Fußballer vermissen Janik Kalb menschlich und sportlich.

Kassel. „Normalität? Was heißt Normalität? Normal weißt du, dass hinten dein Kapitän steht, du spielst ihm den Ball zu, und er gibt Anweisungen. Jetzt ist er aber nur noch in unseren Köpfen und Herzen dabei.“

Bildhaft bringt es David Altschmied auf den Punkt, unter welchen Ungewissheiten er und seine Mannschaftskollegen von Fußball-Gruppenligist TSG Sandershausen den Pflichtspielbetrieb wieder aufnehmen. Keiner von ihnen weiß, wie es sein wird, wenn sie am Sonntag im Kreispokal gegen den OSC Vellmar erstmals ohne ihren am 22. Januar an den Folgen eines Skiunfalls verstorben Spielführer Janik Kalb (wir berichteten) auflaufen.

Gleichwohl sind die meisten Beteiligten froh, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. „Die Jungs gehen unterschiedlich mit dem Erlebten um. Einige suchen die Ruhe, andere wollen unter die Leute. Das Spiel kommt aber ganz recht, um weiter Abstand zu bekommen. Das Zusammensein tut ihnen sicher gut, auch wenn der eine oder andere zeitweise gar nicht an sportlichen Aktivitäten teilnehmen konnte“, weiß Trainer Roland Lotzgeselle, den alle nur Charly nennen.

Erst spät stieg die TSG wegen des Unglücksfalls in die Vorbereitung. Dennoch fiel diese nicht leicht. „Immer wieder musste mal jemand sagen, dass es weitergehen muss, die einen spornten die anderen an. Inzwischen hat sich die Mannschaft zusammengerauft“, sagt der Trainer.

„Ich sehe es positiv, dass es losgeht. Indem jeder nun für Janik mitkämpft, können wir ihm etwas zurückgeben“, erklärt David Altschmied. Ebenso wie Hebold war er als Kalbs Freund und Mannschaftskamerad im Skiurlaub mit dabei. „Direkt nach dem Unfall war alles sehr schwer. Es hat aber extrem geholfen, sich innerhalb der Mannschaft auszutauschen“, ergänzt Altschmied.

Ähnlich äußert sich Hebold: „Es ist gut, dass es losgeht. Auf dem Platz könnte es ruhiger für uns werden, weil wir da nicht immer Fragen beantworten müssen. Daher war es auch gut, dass wir sehr viel trainiert haben.“ Zudem sei das Team „sehr gefasst und sehr motiviert“ und wolle, so Hebold, „das schaffen, was Janik gern geschafft hätte, den Aufstieg in die Verbandsliga“.

Nach dem heutigen Testspiel gegen Rothwesten steht für die Sandershäuser am morgigen Freitag noch die Teilnahme an der Trauerfeier für ihren bisherigen Kapitän an. „Es kann gut sein, dass viele von uns erst dann verstehen, was eigentlich passiert ist. Bisher war es nur bedingt greifbar“, vermutet David Altschmied. Eines aber steht fest: „Wir sind enger zusammengerückt. Das Verständnis für den anderen ist gewachsen, auch wenn einer mal unangebrachte Dinge tut“, bemerkt Altschmied und Hebold fügt hinzu: „Der Umgang miteinander und auch mit den Gegnern hat sich verändert. Man gibt sich eher die Hand und geht nicht im Streit auseinander.“

Selbst wenn die Bereitschaft zum Spielen also zurück ist, fällt das Loslassen doch schwer. Vielleicht hilft ein wenig, was sich die Mannschaft ausdachte: „Wir tragen am Sonntag alle ein entsprechendes T-Shirt, und Janiks Trikot wird künftig immer dabei sein“, schließt David Altschmied.

Von Wolfgang Bauscher

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