194 Schüler stellten gemeinsam ein Buch her

Sind auf das Endergebnis gespannt: Harald Knöfel ist Lehrer in der Studienwerkstatt Buch und Papier an der Kunsthochschule in Kassel und bindet die fertigen Bücher der Grundschüler nach einer japanischen Bindung.

Niestetal. Fünf Kilo, 194 Geschichten und eben so viele Bilder schwer ist das Werk, das die Grundschüler innerhalb von zweieinhalb Wochen selbst gestaltet haben.

Das Projekt entstand in Kooperation mit den Eltern und der Kasseler Kunsthochschule.

Gespannt schauen die Erstklässler Harald Knöfel über die Schultern. Der Lehrer der Studienwerkstatt Buch und Papier der Kunsthochschule Kassel setzt mit dem Bohrer an und vertieft präzise ein Loch nach dem anderen durch das große Buch im A3-Format.

Die Heizung glüht plötzlich blau auf, und das Mädchen und sein Hund finden sich im nächsten Moment unter Wasser wieder. Erschrocken stellt das Kind fest, dass es unter Wasser atmen kann, während sich sein Hund in einer Luftblase fortbewegt. Unterwegs treffen sie zwei Nixen. Doch plötzlich klingelt der schrille Wecker, der das Mädchen aus seinem Traum reißt - das ist die Fantasiegeschichte der neunjährigen Lea, die in dem Buch ebenfalls eine eigene Seite gestaltet hat.

Buchbinden sehr interessant 

194 individuell gestaltete DIN-A3-Seiten: Diese Seite handelt von Lieblingstieren. Ausgedacht, geschrieben, gemalt und gedruckt hat sie Tim aus der Klasse 1b.

„Auf dem Bild sind die zwei Meerjungfrauen und der Hund in der Luftblase zu sehen“, sagt die Drittklässlerin stolz. Besonders interessant fand die Grundschülerin das Binden der Bücher. Das findet auch die neunjährige Lina, die auf ihrem Bild einen Ausflug in den Zirkus gezeichnet hat. „Sehr viel Spaß hat mir das Drucken des Bildes gemacht.“

Beeindruckt vom Drucken der Seiten war der neunjährige Adrian, der die Geschichte von einem Mädchen erzählt, das im Wald einen Wolf trifft. Beide werden gute Freunde. „Interessant fand ich das Buchbinden, weil das mit so einer Maschine gemacht wird.“ Besonders viel Spaß beim Schreiben der Geschichte hatte Daniel. „Wir durften unsere Geschichte mit einem Fineliner schreiben“, berichtet der Achtjährige, der sonst mit Bleistift und Füller schreibt.

Die Begeisterung für das Projekt war bei allen Schülern während der zweieinhalb Wochen von Anfang an deutlich zu spüren, berichtet Andreas Träger vom Elternbeirat. „Es war sehr auffällig, dass die Kinder so ruhig und konzentriert gearbeitet haben.“ Ziel sei es gewesen, Lehrer und mithelfende Eltern so wenig wie möglich in den Prozess eingreifen zu lassen.

Das Thema für die Geschichten konnten die Schüler frei wählen, so Schulleiterin Beate Arend. Entstanden sind 194 individuelle Geschichten und Bilder. Egal ob Fasching, Tier- oder Fantasiegeschichten - der Kreativität der Schüler waren keine Grenzen gesetzt.

„Die Kinder erleben eine handwerkliche Fähigkeit, vom Schreiben über Malen, Milchtütendruck und Binden“, so die Schulleiterin. „Da jedes Kind seine eigene Seite selbst gestalten konnte, hat das Buch für die Schüler einen ganz besonderen Wert.“

Von Johanna Uminski

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