Fahren bis die Batterie leer ist: Sechs Unternehmer testen Elektroauto

Fährt gern mit Strom: Udo Schwandt vom Garten- und Landschaftsbau Schwandt in Niestetal ist zufrieden mit dem Elektroauto. Foto: Nickoll

Niestetal. Seit einer Woche fährt Udo Schwandt, Geschäftsführer der Firma Garten- und Landschaftsbau Schwandt, ein Elektroauto - und ist begeistert.

„Ich muss sagen, dass ich das Auto fast schon lieber fahre als meinen eigenen Ford Galaxy", sagt Schwandt.

Er nimmt am zweiwöchigen Pilotprojekt „eflotte - elektromobil unterwegs“ des hessischen Wirtschaftsministeriums teil. „Es könnte ein Auto für mich sein, weil es der Antrieb der Zukunft ist.“

Schwandt legt die täglichen Dienstfahrten in Stadt und Landkreis Kassel und im südlichen Niedersachsen mit einem Citroën Berlingo Electric zurück. Angetrieben wird dieser durch Batterien mit Lithium-Ionen-Technologie.

Nachteil kurze Fahrtstrecke 

Schwandt ist einer von 57 hessischen Unternehmern, sieben aus Nordhessen, die sich an dem bisher bundesweit einmaligen Projekt beteiligen. Sein erster Eindruck: Das Elektroauto sei handlicher zu fahren als sein Ford und einfach zu bedienen. „Ich muss das Auto nur einschalten und die Fahrtrichtung wählen“, so Schwandt. Auch genug Stauraum sei vorhanden, um Pflanzenmischungen und kleine Maschinen zu transportieren. „Mit den seitlichen Schiebetüren kann ich mit dem Gabelstapler Paletten einladen“, sagt der 53-Jährige.

Der wichtigste Grund, der für Schwandt jedoch noch gegen den Kauf spricht: „Ich kann an einem Tag maximal 120 Kilometer fahren, ich benötige allerdings ein Auto mit einer Fahrleistung von 150 bis 180 Kilometer.“ Nach Angaben des Herstellers sollte man mit dem Auto 170 Kilometer weit kommen. Schwandt hat allerdings andere Erfahrungen gemacht: „Am Sonntag bin ich 80 Kilometer gefahren und die Batterie war nur noch zu einem Viertel geladen.“ Gewöhnungsbedürftig sei noch die Tatsache, das Auto jeden Abend an eine Steckdose anzuschließen. Das Ladekabel am vorderen Kotflügel einzustöpseln und dann an den Strom anzuschließen, sei aber kein großer Aufwand.

Über Nacht lädt das Auto, etwa acht Stunden, was für Schwandt noch ein Pluspunkt ist: „Dadurch fällt keine Arbeitszeit an, die etwa bei Tankstellenbesuchen anfällt“, sagt der Chef des Zwölf-Mann-Betriebs. Zum Aufladen nutze er seinen eigenen Strom, die Mehrkosten, die ihm dadurch entstünden, seien unerheblich. Begeistert ist Schwandt von den technischen Eigenheiten des Elektroautos, etwa der Tatsache, dass das Elektroauto sehr leise ist. „Und wenn ich den Schub zurücknehme, hat der Motor eine harmonische Bremsleistung und die Batterie beginnt, sich selbst aufzuladen.“ Den Schub bekommt das Auto durch den Tritt auf das Strompedal. Weil der zu feste Tritt darauf die Batterie schnell leert, fahre er mit dem Elektroauto auch vorausschauender. Auch die Umwelt hat Schwandt jetzt mehr im Blick als zuvor: „Der Verbrauch der Bordelektronik, also Klimaanlage und Heizung, wird mir während der Fahrt angezeigt, da habe ich die Klimaanlage direkt mal ausgemacht.“

Archivvideo - HNA-Test in Northeim:

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