Niestetaler Solartechnik-Hersteller

SMA-Aktie rauscht nach unten: Unternehmen kämpft mit Preisdruck aus China

Kassel. Die Aktie des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA hat in der Spitze 14,2 Prozent auf 31,10 Euro verloren.

Grund sind Befürchtungen, dass der chinesische Wettbewerb nach Kürzung der nationalen Solar-Ausbauziele den Weltmarkt noch stärker als bisher mit Billigware fluten könnte.

Es hätte eigentlich ein guter Börsentag für SMA werden können. Allen Widrigkeiten zum Trotz – Bauteile-Knappheit und der anhaltende Preisverfall bei Solaranlagen – legt SMA zum Teil wider den Erwartungen beim Umsatz moderat und beim Gewinn sogar kräftig zu. Also Grund genug für ein veritables Kursplus. Doch Befürchtungen, chinesische Wettbewerber könnten die Märkte noch stärker mit Billigware fluten, schickten die Aktie des Niestaler Unternehmens im frühen Handel auf steile Talfahrt.

Ungeachtet dessen bekräftigte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon die Jahresprognose von 900 Mio. bis eine Mrd. Euro Umsatz sowie ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 90 bis 110 Mio. Euro. Daraus könnte am Ende des Jahres ein Reingewinn von 25 bis 40 Mio. Euro resultieren.

Allerdings stellte er die Prognose unter den Vorbehalt, dass Projekte in Erwartung weiter fallender Modulpreise nicht in größerem Umfang verschoben würden, was dem massiven Kursverfall weiteren Vorschub leistete.

Wie stark der Preisdruck in der Branche ist, zeigen die Absatzzahlen. Obwohl SMA die Wechselrichter-Verkäufe im ersten Halbjahr um 13,5 Prozent auf die Gesamtleistung von 4,3 Gigawatt gesteigert hat (das entspricht rein rechnerisch der Leistung von fast fünf konventionellen Großkraftwerken), lag das Umsatzwachstum bei nur 3,5 Prozent.

SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon

Seit Jahren bereits machen die staatlich subventionierten chinesischen Billiganbieter europäischen und US-amerikanischen Herstellern das Leben mit Dumping-Preisen schwer. Erst traf es die Modul-Hersteller, die in die Knie gingen und nahezu ausnahmslos aufgaben. Später folgten ihnen zahlreiche Produzenten von Wechselrichtern, die in den Solarmodulen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln.

Diese Herzstücke einer jeden Solaranlage sind nach wie vor das Kerngeschäft von SMA. Die Niestetaler bestehen im knallharten Preis- und Wettbewerbsdruck seit Jahren durch ständige Kostensenkungen und technische Innovation. Bislang ist es ihnen noch immer gelungen, der Konkurrenz aus Fernost eine Nasenlänge voraus zu sein.

Aber weil das reine Wechselrichtergeschäft immer schwieriger wird, ist das Unternehmen dabei, neue Geschäftsfelder im Service, Datenhandel und als Energiedienstleister aufzubauen. Damit wollen die Niestetaler unabhängiger vom klassischen Geräte-, Anlagen- und Kraftwerksgeschäft werden.

Zum gestrigen Kursrutsch beigetragen haben könnte auch der starke Rückgang der Rücklagen um 51,5 Millionen auf „nur noch“ 393,4 Mio. Euro. Grund ist neben Steuernachzahlungen die kräftige Erhöhung von Vorräten für die Produktion, um künftigen Engpässen bei elektronischen Bauteilen vorzubeugen.

SMA beschäftigt aktuell nahezu unverändert 4000 Mitarbeiter, davon etwa 2800 in Niestetal und Kassel und davon wiederum 600 Zeitarbeiter. In Spitzenzeiten waren es weltweit mehr als 6000 Beschäftigte, davon gut 5000 in Nordhessen.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

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