517.000 Euro für Anteilscheine

SMA: Aktienkauf des Vorstandes brachte nicht viel

Kassel / Niestetal. Das kleine Kursfeuerwerk, das die SMA-Vorstände Pierre-Pascal Urbon, Lydia Sommer, Roland Grebe und Jürgen Reinert am Mittwoch mit dem Kauf von Aktienpakten auslösten, währte nur kurz.

Am Donnerstag trat das Papier des Solartechnik-Herstellers praktisch auf der Stelle. Am Ende ging es mit einem Miniplus von einem Cent auf 15,03 Euro aus dem Handel.

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Ein Zeichen wollte die Führung damit setzen, der Welt zeigen, dass sie Vertrauen ins eigene Unternehmen hat und bereit ist, privates Vermögen in SMA-Aktien zu investieren. Doch die Anleger lassen sich vor derlei Symbolik nicht beeindrucken. Für sie zählt allein die Perspektive. Und die ist düster und eine Besserung nicht in Sicht.

Abgesehen davon entsprechen die am Dienstagabend für 517 000 Euro vom Vorstand erworbenen 34 900 Aktien nur 0,4 Prozent der derzeit handelbaren, also im Streubesitz befindlichen Anteilscheine. Das reicht bei Weitem nicht aus, den Kurs dauerhaft zu beeinflussen. Denn von den insgesamt 34,7 Millionen Titeln sind aktuell 25,05 Prozent und somit knapp 8,7 Mio. frei handelbar.

Die Firmengründer Günther Cramer, Peter Drews, Reiner Wettlaufer und Professor Werner Kleinkauf sowie deren Familien und Stiftungen halten noch immer 54,95 Prozent der Anteile, die derzeit nicht beziehungsweise nur unter bestimmten, strengen Voraussetzungen verkauft werden dürfen. Weitere 20 Prozent liegen seit dem Frühjahr beim dänischen Technologiekonzern Danfoss, der erst in eineinhalb Jahren veräußern oder zukaufen darf. Eine wie auch immer geartete Übernahme ist momentan kaum möglich, steht aber auch nicht zur Debatte. Denn in seinem jetzigen Zustand will SMA sowieso niemand haben.

Wie viele Titel die Vorstände insgesamt halten, ist ebenso wenig bekannt wie mitteilungspflichtig. Florian Honselmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sieht überhaupt keine Brisanz in dem privaten Aktiengeschäft. Im Gegenteil: Derartige Vorgänge seien üblich, stünden im Einklang mit dem Aktienrecht und könnten als Vertrauensbekundung hinsichtlich der Unternehmenszukunft gesehen werden. „Die Frage ist aber, ob SMA die Kurve kriegt. Die Lage wird immer schwieriger“, sagte der Kapitalmarktexperte und rät Kleinanlegern davon ab, dem Vorstand nachzueifern.

Die andere Frage ist, woher die Vorstände das Geld für derartige Aktienkäufe nehmen. Die Antwort: Sie sind mit einen Grundjahresgehalt von je 350 000 Euro Spitzenverdiener. In fetten Jahren, als SMA noch die Lizenz zum Gelddrucken hatte, kamen die Vorstände mit Boni sogar auf mehr als eine halbe Mio. im Jahr.

Das ist viel, aber nichts im Vergleich zu den Vermögen, die die Gründer angehäuft haben. Beim Börsengang 2008, als sie gerade noch rechtzeitig vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise Aktien zum Stückpreis von 47 Euro unter die Anleger brachten, und im Frühjahr 2014 beim Verkauf des Pakets an Danfoss kassierte jeder von ihnen zig Millionen Euro, die sie zum Teil in gemeinnützige Stiftungen gesteckt haben.

Außerdem halten die Familien und Stiftungen noch immer fast 55 Prozent der Aktien, die nach dem aktuellen Kurs nach wie vor einen Wert von gut 280 Mio. Euro haben.

Von José Pinto

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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