Streit um SMA-Abgaben: Wanfried will Anteil von Niestetal

Wachstum: In Niestetal und Kassel beschäftigt der Wechselrichterhersteller SMA etwa 5500 Menschen und erzielte 2010 einen Reingewinn von 365 Millionen Euro. Ein Großteil von Niestetals Gewerbesteuereinnahmen stammt von SMA.

Wanfried/Niestetal. Dass mit Niestetal nur eine Kommune vom Wachstum der SMA Solar AG profitiert, sieht Wilhelm Gebhard (CDU) nicht ein. Der Bürgermeister von Wanfried (Werra-Meißner-Kreis) fordert einen Anteil an den Gewerbesteuereinnahmen.

Schließlich beruhe der Erfolg von SMA zu einem großen Teil auf Subventionen, meint Gebhard.

Im Jahr 2010 hat das Unternehmen seinen Umsatz mehr als verdoppelt, auf fast 1,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 365 Millionen Euro. 2010: 37,8 Mio. Euro In Niestetal zahlt SMA den Großteil seiner Gewerbesteuern. Genaue Zahlen gibt es wegen des Steuergeheimnisses zwar nicht, aber die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde dürften zu 80 Prozent von SMA kommen.

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Im Jahr 2010 hat Niestetal das Rekordergebnis von 37,8 Millionen Euro an Gewerbesteuer eingenommen. „Geld, das uns allen gehört“, sagt Gebhard. Gebhard: Steuergelder Wie er auf diese Behauptung kommt, lässt sich aus seiner Sicht leicht erklären: Ein Wechselrichter ist ein Gerät, das den in den Solarmodulen erzeugten Gleichstrom in netztauglichen Wechselstrom umwandelt. Diese Vorrichtung ist für Fotovoltaikanlagen unverzichtbar. Die Bundesregierung subventioniert den Bau von Solaranlagen sowohl gewerblich als auch privat.

„SMA profitiert also von unseren Steuergeldern, und damit auch Niestetal“, sagt Gebhard. Ihm missfällt, dass die Gemeinde darüber hinaus das Geld mit vollen Händen ausgebe, während in seiner Stadt jeder Cent mehrfach umgedreht werden müsse. Ein Blick in den Niestetaler Haushalt zeigt: Im Jahr 2011 hat Niestetal Investitionen von 11 Millionen Euro getätigt. Diese wurden alle aus eigenen Mitteln finanziert. Die Gemeindekasse ist gut gefüllt. Knapp 25 Millionen hat die Gemeinde auf der hohen Kante liegen. Hauptsächlich investiert Niestetal in die Infrastruktur.

Fotos: Sandershäuser Berg: Neue Fassade bei SMA am Sandershäuser Berg

Neue Fassade bei SMA am Sandershäuser Berg

Der Neubau des Hallenbads wird zehn Millionen Euro kosten, die Feuerwehr soll für vier Millionen erweitert werden, ein neuer Kindergarten kostet 3,5 Millionen Euro. Noch nicht entschieden ist, ob die 31 Gemeindevertreter mit Tablet-Computern ausgestattet werden. Die Kosten dafür: rund 33 000 Euro. Kräftiger Dämpfer Die Niestetaler Verwaltung dringt darauf, bedächtig mit dem Geld umzugehen und warnt vor hohen Folgekosten der Infrastrukturprojekte. „Es ist gefährlich, von nur einem Unternehmen so abhängig zu sein“, sagt Gemeinde-Sprecher Dennis Bachmann. Einen kräftigen Dämpfer hat Niestetal bereits erhalten. So fielen die Gewerbesteuereinnahmen 2011 laut Gemeindeverwaltung deutlich auf 16,5 Millionen Euro. (ts/wr/clm/hog)

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