Unternehmen baut kräftig um

SMA steckt im größten Wandel der Firmengeschichte

Niestetal/Kassel. Der Niestetaler Solartechnik-Hersteller SMA steckt mitten im größten Wandel der 36-jährigen Firmengeschichte. In wenigen Jahren soll die Firma eine andere sein.

Es geht um nicht weniger als den Umbau des führenden Produzenten von Wechselrichtern und solaren Kraftwerken zu einem Energie-Management-Dienstleister. Künftig will das Unternehmen großen Verbrauchern dabei helfen, mittels intelligenter Systeme ihre Energieversorgung zu optimieren und dadurch kräftig Kosten zu senken. 

Das kündigte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon während der Jahresbilanzkonferenz in Frankfurt an.

Pierre-Pascal Urbon

Konkret: Eine Supermarktkette managt die Energieversorgung ihrer Filialen künftig mit einer SMA-Software, die die Solaranlagen auf dem Dach der Gebäude intelligent mit Kühl-, Klima, Heiztechnik und Elektromobilität vernetzt. Das geht so weit, dass der Supermarkt automatisch Strom zukauft, wenn er besonders billig, und den Eigenstrom verkauft, wenn Energie teuer ist. Und er kann seinen Kunden sogar anbieten, ihr Elektroauto während des Einkaufs kostenlos zu betanken, wenn Zuviel-Strom die Netze verstopft und kostenlos abgegeben wird. Alles digital versteht sich, mit einer App steuerbar.

Noch ist das Theorie. „Aber genau so sehen wir uns in der Zukunft“, beschreibt Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon seine Vision. Der Clou: Für ein intelligentes Energiemanagement braucht man Wechselrichter. Sie sind die intelligenten Bindeglieder zwischen Stromerzeugung und -beschaffung auf der einen und den optimierten Verbrauchern auf der anderen Seite. „Wir haben die Technik, Kompetenz, Intelligenz und das IT-Wissen derlei Systeme“, sagt Urbon.

Mittel- und langfristig führt seiner Überzeugung nach sowieso kein Weg an der Sonnenenergie vorbei. Die Treiber der Entwicklung hin zu den Erneuerbaren sind neben dem mittlerweile sehr viel günstigeren, längst wettbewerbsfähigen Preis für Sonnenstrom die aufkommende Elektromobilität und die Klimaziele von Paris. Ohne Solarenergie seien die nicht zu erreichen, so der SMA-Chef. Er geht davon aus, dass in gut 20 Jahren etwa 45 Prozent des Weltstrombedarfs aus Sonnenkraft gewonnen wird.

Das heißt aber nicht, das SMA künftig nichts mehr produzieren will. Nein, die Wechselrichter sind sozusagen der Türöffner für eine breite Palette von Dienstleistungen, zu denen auch der zunehmende Handel mit Daten gehört, die zigtausende von Wechselrichtern online in Echtzeit liefern. Netz - und Kraftwerksbetreiben sowie energieintensive Unternehmen brauchen sie, um ihre Kapazitäten nach dem erwarteten Solar- und Windstromertrag auszurichten.

Gewinnzone

Nach zwei verlustreichen Jahren hat SMA 2015 wieder in die Gewinnzone zurückgefunden und 2016 noch eine Schippe draufgelegt. Dieses Jahr ist allerdings eines des Übergangs und soll bestenfalls mit einem kleinen Gewinn enden. Im nächsten Jahr sollen neue, innovative Produkte, die in Herstellung und Montage deutlich billiger sind, sowie die Dienstleistungssparte dem Unternehmen zu seiner alten Ertragskraft verhelfen.

Konkrete Zahlen nannte Urbon zwar nicht, SMA-Finanz- und Personalchef Ulrich Hadding betonte aber: „Wir sind das stabilste und erfolgreichste Unternehmen der Branche, wir haben ein Super-Finanzpolster und wir sind für die Zukunft gerüstet“.

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