Interview mit Pierre-Pascal Urbon

SMA-Vorstandssprecher zum Stellenabbau: „Keine Alternative“

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Pierre-Pascal Urbon

Niestetal. Der nordhessische Solartechnikhersteller SMA Solar Technology AG streicht seine Prognose für 2014 zusammen. Das Unternehmen erwartet nun höchstens ein ausgeglichenes Ergebnis, im schlimmsten Fall einen operativen Verlust von 45 Millionen Euro.

Wichtige Märke brachen ein, sagt Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon.

Der Solarmarkt in Deutschland und Europa ist stark eingebrochen. Spielt die Musik ohne SMA? 

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Pierre-Pascal Urbon: Die Märkte haben sich in der Tat in sehr kurzer Zeit in die außereuropäischen Regionen verschoben. Der deutsche Markt hat sich im Vergleich zum Vorjahr bisher halbiert. Nordamerika, Japan und China stehen 2014 für 60 Prozent der weltweiten Nachfrage. Wir sind in all diesen Märkten vertreten. In Nordamerika sind wir Marktführer. In Japan haben wir schon gute Erfolge erzielt und das Geschäft in China nimmt Fahrt auf, aber dort ist das Preisniveau viel niedriger als in anderen Märkten.

SMA will bis Ende 2015 weltweit rund 600 Stellen streichen. Wie stark trifft es die deutschen Standorte? 

Zur Person

Pierre-Pascal Urbon (43) ist seit 2011 Vorstandssprecher der SMA Solar Technology AG. Der studierte Betriebwirt gehörte seit 2006 dem Vorstand an. Urbon verantwortete unter anderem das Finanzressort und konzipierte den Börsengang der SMA. Urbon stammt aus Bielefeld. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. In seiner Freizeit spielt er Golf.

SMA setzte im vergangenen Jahr 932,5 Millionen Euro um. Unterm Strich stand ein Verlust von fast 67 Millionen Euro.

Urbon: Gegenwärtig haben wir in Deutschland rund 2800 Vollzeitstellen, bis Ende 2015 sollen es 2300 sein, das sind etwa so viel wie im Jahr 2009. Damals hatten wir ein ähnliches Umsatzniveau, wie wir es heute prognostiziert haben. Diese Anpassung ist einfach notwendig, weil der Umsatz nicht so stark wächst, wie wir es im November erwartet haben. Wir müssen reagieren, wir haben keine Alternative. Ein Teil des Personalabbaus wird über befristete Verträge und Fluktuation realisiert. 400 Mitarbeiter werden in Vertrieb, Service und Verwaltung abgebaut, davon etwa 300 im Inland. Das soll sozialverträglich geschehen. Wir werden das Gespräch mit dem Betriebsrat suchen.

Müssen zuerst die Leiharbeiter gehen?  

Urbon: Leiharbeit wird je nach Auslastung immer angepasst. Für die nächsten sechs Monate erwarten wir eine starke Nachfrage in den Auslandsmärkten. Wenn das eintrifft, ist die Wende in die schwarzen Zahlen in greifbarer Nähe.

Bedeuten wachsende Auslandsmärkte eine Produktionsverlagerung ins Ausland?  

Urbon: In keinster Weise. Wir haben unseren Standort in Denver, der für den nordamerikanischen Markt produziert, das war immer unsere Strategie. Der Standort in Kassel wird weiterhin hauptsächlich Märkte in Europa, Asien und Afrika bedienen.

SMA will das Entwicklungsbudget von 120 Millionen Euro im Jahr auf 90 Millionen Euro 2016 kürzen, kündigt aber neue Produkte an. Wie passt das zusammen?  

Urbon: Wir werden uns noch stärker auf strategisch wichtige Produkte konzentrieren. Außerdem werden viele neue Produkte im nächsten Jahr in den Markt eingeführt, etwa ein neuer Zentralwechselrichter, und wir nutzen Synergien mit Danfoss.

Wird Entwicklungskompetenz aus Deutschland abfließen, etwa zur chinesischen SMA-Tochter Zeversolar? 

Urbon: Nein, unser Wissen über die neuen Technologien transferieren wir nicht nach China. Zeversolar entwickelt für den chinesischen Markt, weil dort ganz besondere Anforderungen für die Zertifizierungen zu erfüllen sind. Doch unsere Entwicklungskompetenz ist in Kassel. Wir werden aber Zeversolar nutzen, um Einkaufsvorteile in China auch für SMA-Produkte zu nutzen. Auf die gleiche Weise arbeiten wir mit Danfoss zusammen.

SMA muss die Kosten in Europa senken. Wie geht das ohne Produktions- und Entwicklungsverlagerung? 

Urbon: Das läuft über technische Innovation: Unsere neuen Wechselrichter haben zum Beispiel völlig neue Komponenten und höhere Schaltfrequenzen, damit lässt sich ein hochfunktionelles Produkt auch für den Massenmarkt herstellen. Mit der neuen Generation der Wechselrichter können wir bei den Kosten mit der chinesischen Konkurrenz mithalten.

Was bleibt von SMA in Nordhessen?  

Urbon: Wir haben hier einen Großteil unserer Entwicklung, unsere Hauptwerke und unseren Hauptstandort. Das wird so bleiben. Wir stehen zur Region.

Von Barbara Will

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