Unternehmen baut  Service aus

Solartechnik-Hersteller SMA erfindet sich neu und wird digital

Versandfertig: Unser Foto zeigt Carsten Muschack bei seiner Arbeit im SMA-Werk auf dem Sandershäuser Berg. Archivfoto: Fischer

Niestetal. Der Solartechnik-Spezialist SMA steht am Anfang eines tief greifenden Wandels – weg vom reinen Gerätehersteller hin zum Service- und Energie-Dienstleister und Datenhändler.

Diese Transformation ist nicht weniger als die Neuerfindung eines Unternehmens, das wie kaum ein anderes für die Energiewende in der Welt steht und diese nun auch digital voranbringen will.

Die Energieversorgung der Zukunft wird eine dezentrale mit einer Vielzahl von Erzeugern sein. Und sie wird digital sein, weil die vielen Solar-, Windkraft- und Biogasanlagen sowie konventionelle Kraftwerke auf der einen und die Verbraucher auf der anderen Seite hochgradig vernetzt werden müssen. Dabei übernehmen die intelligenten Wechselrichter von SMA eine Schlüsselrolle. „Wir haben die Lösung für die Komplexität dieser Fragestellungen“, sagte SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon anlässlich des jüngsten Kapitalmarkttags für Aktionäre, Investoren und Branchenanalysten. Wechselrichter seien das Herzstück der Stromversorgung der Zukunft, und SMA kontrolliere als Weltmarktführer einen großen Teil von ihnen.

Die elektronischen Geräte, die in Solaranlagen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln, und dabei auch wichtige Aufgaben bei Netzsteuerung und -stabilisierung übernehmen, ist die Eintrittskarte fürs Service- und Wartungs- sowie fürs neue Energiedienstleister-Geschäft. „In dieser Nische sind wir die Spezialisten mit einem weltweiten Alleinstellungsmerkmal“, so Urbon.

Und ganz nebenher sammeln die Wechselrichter unzählige Daten, auf die immer mehr Kraftwerks- und Netzbetreiber zur Steuerung ihrer Anlagen zurückgreifen müssen. Dafür müssen sie natürlich bezahlen. Diesen „Datenschatz“ will SMA jetzt heben. Daher tut das TecDax-Unternehmen das eine, ohne das andere zu lassen. Das heißt: Die Niestetaler werden auch künftig intelligente Wechselrichter bauen, gleichzeitig aber ihr Service- und Datengeschäft ausbauen und zunehmend als Energiedienstleister für Supermarkt- und andere Handelsketten, Stadtwerke, Kommunen und mittelständische Unternehmen auftreten. Dabei setzen die Niestetaler auf eine selbst entwickelte IT-Plattform und die enge Zusammenarbeit mit dem dänischen Technologiekonzern Danfoss, der 20 Prozent der SMA-Anteile hält. Danfoss steuert insbesondere seine Kompetenz im Bereich Kühl- und Kältetechnik bei.

Künftig will SMA nicht nur Wechselrichter, sondern auch Service über den gesamten Lebenszyklus, Modernisierung und Ersatz sowie auf Wunsch das gesamte Energie-Management inklusive Stromhandel aus einer Hand anbieten. Die Kunden können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, optimieren Verbrauche und senken ihre Energiekosten.

Das lukrative Service-Geschäft wächst kräftig – von aktuell 390 Millionen auf weltweit voraussichtlich 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2022, und der noch renditestärkere Handel mit Daten von derzeit 35 auf erwartete 415 Mio. Euro. Von beiden Kuchen will sich der Weltmarktführer ein ordentliches Stück abschneiden.

HINTERGRUND

Derzeit 3850 Mitarbeiter

SMA stellt Wechselrichter in allen Größen her – solche für gewöhnliche Hausdachanlagen, mittelgroße für gewerbliche Zwecke und ganz große für solare Kraftwerke. Das Unternehmen beschäftigt rund 3150 feste Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel in Niestetal und Kassel sowie eine schwankende Zahl von Zeitarbeitern. Derzeit sind es 700. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 890 Millionen Euro um und erzielte einen Vorsteuergewinn von 30 Mio. Euro. Für dieses Jahr strebt es einen Umsatz von 900 Mio. bis eine Mrd. Euro sowie einen Gewinn vor Steuern von 40 bis 60 Mio. Euro an. Die Anleger begrüßten die Neuausrichtung. Die SMA-Aktie legte in der vergangenen Woche im einem schwachen Markumfeld um 12 Prozent knapp 42 Euro zu. (jop)

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