Nach Dauerregen

Trotz Hochwasserschutz: Park- und Sportplätze in Sandershausen abgesoffen

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Land unter: Nach dem Starkregen vom Sonntagnachmittag setzte das Wasser der Nieste die Parkplätze am Naturerlebnisbad (Foto) und die angrenzenden Sportplätze in Sandershausen knietief unter Wasser. Im Hintergrund ist die Autobahnbrücke zu erkennen. Foto:  Bässe/nh

Niestetal. Als die Nieste Mitte vergangener Woche nach dem Dauerregen bedrohlich anschwoll, sprach die Gemeinde Niestetal am Tag danach mit Blick auf den gerade fertiggestellten Hochwasserschutz auf den Wiesen unweit des Rathauses von einer bestandenen Feuerprobe.

Das Wasser aus dem Flüsschen, das seit Kurzem wieder in Bögen durch das Tal läuft, sei an der richtigen Stelle in die Flutmulde gelaufen. Das habe Schlimmeres verhindert.

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Nur vier Tage später sind sich viele Anrainer der Nieste nicht mehr sicher, ob der rund eine Million Euro teure Hochwasserschutz sein Geld wert ist. Nach dem sintflutartigen Regen vom Sonntagnachmittag standen binnen kurzer Zeit der Parkplatz des Naturerlebnisbades und die Sportplätze an der Heiligenröder Straße teilweise knietief unter Niestewasser. Es werden wahrscheinlich Wochen vergehen, bis die Sportplätze wieder genutzt werden können.

Walter Keil, Rentner aus Heiligenrode, war Zeuge, als das Wasser kam. Für den 65-Jährigen steht fest: „Das Ganze ist eine Fehlplanung und nicht zu Ende gedacht.“ Als größten Schwachpunkt hat Keil die rekonstruierten Bögen (Meander) ausgemacht. Ab einer gewissen Menge bleibe das Flüsschen nicht in seinem neuen Bett. Das Wasser fließe stattdessen geradeaus weiter über die Wiesen auf die Park- und die Sportplätze. „So etwas gab es seit über 20 Jahren nicht mehr“, sagt der Rentner.

Peter Lieder

Viele Anwohner der Nieste in Sandershausen stellen sich nun die Frage, was die Aussage der Gemeinde wert ist, das Wasser in der neuen Flutmulde könne zwischengespeichert und später kontrolliert abgelassen werden. „Hier war alles außer Kontrolle“, sagte eine Anwohnerin, die wir gestern an dem Sportplatz trafen, von dem das Wasser inzwischen weitgehend abgelaufen ist.

Im Niestetaler Rathaus will man von einem Scheitern des Hochwasserschutzprojekts nichts wissen. Die Sportplätze gehörten tatsächlich zur Flutmulde der Nieste, wenn auch nicht zu dem in diesem Jahr verwirklichten Hochwasserschutzprojekt, sagte Bauamtsleiter Peter Lieder am Montag auf HNA-Anfrage. Er spricht von außergewöhnlich starkem Niederschlag.

Gegen diese Wassermassen könne man sich nicht hundertprozentig wappnen. „Da können Sie so viel Geld investieren wie Sie wollen.“

Im sonst von Hochwasser häufiger betroffenen Unterlauf der Nieste habe es keine Schäden gegeben, sagte Lieder. Das spreche für das Konzept. Allerdings wolle man natürlich vermeiden, dass die Sportplätze unbespielbar werden. Er habe sich am Montag mit dem für den Hochwasserschutz zuständigen Planungsbüro in Verbindung gesetzt. Es gehe darum, zu „weiteren Verbesserungen“ zu kommen.

Von Peter Ketteritzsch

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