Gemeinden fordern vom Land, Pläne aufzugeben - Wiesbaden lehnt ab

Umstrittener Windpark Sensenstein: Bürgermeister drohen mit Klage

Lehnen den Windpark Sensenstein ab: Die Bürgermeister Edgar Paul (Nieste, von links), Arnim Roß (Kaufungen) und Andreas Siebert (Niestetal) behalten sich vor, zu klagen. Foto: Ketteritzsch

Im Streit um den geplanten Standort für Windkraftanlagen auf landeseigenen Flächen zwischen dem Gut Windhausen und dem Sensenstein fahren die Anrainerkommunen schweres Geschütz auf.

Die Bürgermeister Andreas Siebert (Niestetal), Arnim Roß (Kaufungen) und Edgar Paul (Nieste / alle SPD) fordern vom Land Hessen und der Regionalversammlung, den umstrittenen Standort aus dem Entwurf für den Regionalplan Energie zu streichen. Für den Fall, dass die Forderung nicht auf fruchtbaren Boden fällt, kündigten die drei Verwaltungschefs am Dienstag in einem HNA-Gespräch als letztes Mittel eine Klage gegen den Regionalplan Energie an. Dieser soll im Herbst 2015 verabschiedet werden.

Der Plan legt fest, wo in der Region Windkraftanlagen errichtet werden können. Der geplante Windpark Sensenstein ist seit Jahren umstritten. Der Grund: Es bestehen erhebliche Zweifel daran, ob auf den Domänenflächen der Hessischen Landgesellschaft an der Kreisstraße 4 die vom Land Hessen selbst festgelegte Mindestwindgeschwindigkeit von 5,75 Meter pro Sekunde in 140 Meter Höhe erreicht wird.

Die drei Bürgermeister sagen Nein und belegen dies mit einem aktuellen Gutachten. In dem Papier, das die Kommunen insgesamt 6000 Euro gekostet hat, kommen die Experten der Firma Cube Engineering zu dem Ergebnis, dass die mittlere Windgeschwindigkeit am Sensenstein bei maximal 5,52 Meter pro Sekunde liegt, die Vorgaben des Landes also erheblich unterschreitet.

Bereits vor Jahren hatten die Städtischen Werke Kassel Pläne für einen Windpark bei Windhausen ad acta gelegt, nachdem Messungen mittels eines Messmastens keine ausreichende Windgeschwindigkeit ergeben hatten. Aus demselben Grund hatten die Gemeinden Kaufungen und Nieste Pläne für Windkraftanlagen an dieser Stelle aufgegeben. Die drei Bürgermeister glauben, dass das Land vor allem die Pachteinnahmen im Auge hat. Sie fürchten um die Akzeptanz für Windkraftanlagen und die Energiewende insgesamt, sollten die Pläne aus reinem Profitinteresse durchgepeitscht werden.

Das Umweltministerium stellte derweil am Dienstagabend klar, dass das Land an den Plänen festhält. Man habe sich an den Vertrag mit dem Investor, der deag Energie GmbH, zu halten, sagte Ministeriumssprecher Mischa Brüssel de Laskay. Die drei Kommunen und der Kreis Kassel seien im Vorfeld der Planung „intensiv mit einbezogen“ worden. Das Projekt sei den Kommunen von dem Investor gesondert vorgestellt worden. Laut Brüssel de Laskay wurden maximal acht Anlagen vertraglich vereinbart.

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