Container wird zum Klassenraum

Unterricht in den Pavillons der Leuschner-Schule: „Besser als erwartet“

Hier werden sie das laufende Schuljahr verbringen: Die Schüler der Klasse G10B der Wilhelm-Leuschner-Schule werden in einem Pavillon unterrichtet. Fotos: Schippers

Niestetal. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt", sagt Marius aus Niestetal. Der 16-Jährige ist Schüler der Klasse G10B, die seit Beginn des Schuljahres in den Pavillons der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal unterrichtet wird.

Es sei zwar etwas eng, und der Weg zur Toilette quer über den Schulhof sei besonders bei Regen von Nachteil, aber insgesamt seien die neuen Räume in Ordnung.

Seine Mitschülerin Jennifer sieht das genauso. „Wir haben uns vorher echt aufgeregt, dass wir in die Pavillons müssen. Aber es ist gar nicht so schlimm, wie wir gedacht haben“, sagt die 15-Jährige aus Kassel. Es gebe Vor- und Nachteile. Die Räume seien zwar klein, aber hell und gut klimatisiert. „Die Heizungen werden schneller warm als in den Klassenräumen“, berichtet sie. Außerdem sei es ruhiger, weil sich keine anderen Schüler auf den Fluren vor der Klasse aufhielten.

Jessica aus Staufenberg findet ihren neuen Klassenraum noch ein wenig trostlos. „Wir wollen aber noch ein bisschen dekorieren und vielleicht ein paar Gardinen als Schallschutz aufhängen. Die Akustik ist nämlich nicht so gut“, sagt die 15-Jährige.

Stephan Wilke ist der Klassenlehrer der G10B. Er unterrichte jetzt fast nur noch im Container, sagt der Pädagoge. Am Anfang seien die Schüler schon negativ eingestellt gewesen, aber mittlerweile sähen sie auch die Vorteile: „Die zehnten Klassen haben in den Pavillons ihr eigenes Reich.“ Außerdem dürften sie sich in den Pausen auch in den Räumen aufhalten. Das sei im Schulgebäude nicht erlaubt.

Sein Unterricht funktioniere auch in den Pavillons, allerdings müssten seine Kollegen und er sehr strukturiert arbeiten und extrem auf die Lautstärke achtgeben. „Ansonsten wird es schnell zu laut“, berichtet Wilke. Doch zugunsten der Inklusion - dem gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülern - nehme er die Umstände gern in Kauf.

25 Schüler sind in der G10B. Insgesamt ist der gesamte Jahrgang 10 in Containern untergebracht. Das sind 89 Schüler in vier Klassen. Damit ist die Platzkapazität der Pavillons ausgereizt. Viel Spielraum im Hinblick auf die Sitzordnung gibt es da nicht. Die Tische sind in Vierer- und Sechsergruppen angeordnet.

Im Gegensatz zu den regulären Schulräumen, die vielfach farbig gestrichen und dekoriert sind, sind die Pavillons etwas karg. Aber die Schüler sehen es insgesamt positiv. „Es ist zwar weniger, als wir gewohnt sind, aber es ist okay“, sagt Marius. „Es ist ja schließlich für einen guten Zweck.“

Von Nicole Schippers

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