"Schade, da bleibt nur der Abriss"

Bürger sichtlich geschockt vom Zustand des Niestetaler Hallenbads

40 Jahre alte Technik: Björn Henkel (Dritter von links) führte die Besucher durch den Technikraum des großen Schwimmbeckens. Leute mit Gardemaß mussten auf ihren Kopf aufpassen.

Niestetal. Janice Weißenborn hängt am Niestetaler Hallenbad. Die Niestetalerin hat hier als Jugendliche jahrelang mit dem Tauchverein geübt, als sie noch in Kassel wohnte.

Später kam sie mit ihren Kindern hierher. Doch nach einem Rundgang durch die Katakomben des Bades mit seiner maroden Technik und den bröckelnden Wänden und Decken ist sie ernüchtert.

"Schade, da bleibt nur noch der Abriss. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe schon mal einen Altbau saniert“, sagt Weißenborn.

Das war der Eindruck vieler Bürger, die sich am Tag der offenen Tür von Mitgliedern der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) durch das Gewirr von Pumpen, Filteranlagen, leckenden Rohren und Stolperfallen führen ließen. 500 Schwimmer der DLRG trainieren in dem Bad. Der Verein wirbt für ein Ja beim bevorstehenden Bürgerentscheid über den Bau eines neuen Hallenbads neben der Feuerwehr. DLRG-Vorsitzender Björn Henkel und seine Stellvertreterin Petra Konradt führen die Besucher vorbei an rostenden Pumpen aus den 1970er-Jahren, an den Wänden und Decken blüht der Beton. Im Heizungsraum unter dem Kinderbecken hat sich eine Wasserlache gebildet. Alles ist eng und verwinkelt. „Hier ist es immer heiß, sommers wie winters“, erklärt Henkel im Raum des Schwimmmeisters. „Eine Zumutung für die Leute, die hier arbeiten müssen“, sagt ein Besucher, „das muss man alles plattmachen“, meint ein anderer.

Stephan Arpke ist offensichtlich ein Mann, der sein Urteil abwägt. Eine Sanierung sei wohl nur auf den ersten Blick deutlich günstiger als ein Neubau. „Aber das Risiko einer Kostensteigerung ist da. Auf lange Sicht ist ein Neubau sinnvoller, schon wegen der Energieeinsparung“, sagt der Kasseler aus Bettenhausen, dessen Kinder beim DLRG-Training mitmachen. Auf jeden Fall müsse in Niestetal ein Hallenbad bleiben. „Das Hallenbad Ost haben wir ja schon verloren“, meint Arpke.

„Billig zahlt zweimal.“ Mit diesen knappen Worten sagt Heiko Linn aus Niestetal seine Meinung. Selbst wenn es gelinge, die Technik zu erneuern und das Gebäude zu sanieren, bleibe immer noch das aus der Mode gekommene Flair der 1970er-Jahre. Moderne Bäder hätten doch heute mindestens eine Rutsche für die Kinder, sagt Linn. „Das Bad ist nicht mehr zu retten“, pflichtet der Rentner Friedrich Heib bei.

Von Peter Dilling

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