„Wirrwarr der Kompetenzen“

Fünffacher Vater aus Niestetal wartet monatelang auf Kindergeld

Ist sauer auf die Familienkasse: Der fünffache Familienvater Wolfgang Wilde wartet seit Monaten auf das Kindergeld. Foto: Dilling

Niestetal/Kassel. Ein Familienvater aus Niestetal, wartet seit Oktober auf Kindergeld für zwei seiner fünf Kinder. Die Sprecherin der Arbeitsagentur entschuldigt sich nun dafür.

Im Herbst hatte der Leiter der Familienkasse Kassel, Ewald Howard, in einem HNA-Interview eingeräumt, man schiebe wegen der Sommerferien noch eine „kleine Welle“ unbearbeiteter Kindergeldanträge vor sich her. Für den fünffachen Familienvater Wolfgang Wilde ist das nicht nachvollziehbar. Kleine Welle? Das will er nicht so recht glauben.

Erst nach Weihnachten kam ein positiver Bescheid. Von dem Geld habe er kurz nach Neujahr die Hälfte erhalten, der Rest sei noch in Bearbeitung. Immerhin gehe es insgesamt um etwa 2000 Euro Zahlungsrückstände der Familienkasse, sagt Wilde.

Howard hatte in dem Interview Antragsteller darum gebeten, wegen der Rückstände sechs Wochen abzuwarten, bevor sie wegen der Zahlung nachfragen. An diesen Tipp habe er sich gehalten, versichert Wilde. Sein Antrag datiert vom 10. Oktober. Genau sechs Wochen später habe er im Servicecenter angerufen. „Das hat prima geklappt. Aber die Mitarbeiter dort haben ja keine Entscheidungskompetenzen“, sagt der Diplom-Ökonom. Bei einem nochmaligen Anruf habe man ihm empfohlen, sich zu beschweren.

Diese Beschwerde und ein persönlicher Besuch bei der Familienkasse in der zweiten Dezemberwoche habe auch nichts gebracht, berichtet Wilde. Immerhin: Dort habe er bei der Einsichtnahme in die Kindergeldakte entdeckt, dass die Kasse es seit Monaten auch versäumt hatte, ihm das Kindergeld für einen seiner Söhne auszuzahlen. Wegen einer Jugendhilfemaßnahme für diesen Sohn sei das Kindergeld zeitweilig an das Jugendamt des Landkreises geflossen, berichtet der Vater.

Beschwerde an Bundesfamilienministerin

Nach Ende der Maßnahme im Juli habe die Familienkasse trotzdem das Geld weiter an den Kreis gezahlt. Die Kasse teilte Wilde nun mit, das rückständige Kindergeld für diesen Sohn werde er vom Kreis zurückerhalten. Der Familienvater spricht von einem „Wirrwarr der Kompetenzen“. Er komme sich nicht wie ein Kunde der Familienkasse vor, sondern „wie ein Bittsteller“. Per Fax hat er Bundesfamilienministerin Schwesig (SPD) eine „Fachaufsichtsbeschwerde“ gegen die Kasseler Behörde geschickt und gefragt, wie die schleppende Bearbeitung zum Ziel des Ministeriums passe, Familien besser zu unterstützen. Eine Antwort habe er nicht erhalten, sagt Wilde.

Arbeitsagentur-Sprecherin entschuldigt sich

Die Kasseler Kasse könne nicht einmal einen Bearbeitungsstandard von sechs Wochen einhalten. In Niedersachsen - das wisse er von Bekannten - funktioniere die Abarbeitung der Anträge deutlich schneller.

Laut Angela Köth, Sprecherin der Arbeitsagentur Hessen, hat die Familienkasse inzwischen ihre Arbeitsrückstände aufgeholt. Vollständige Anträge würden innerhalb von sechs Wochen bearbeitet. Im Falle Wilde habe es vier Wochen länger gedauert, warum, das lasse sich nicht mehr nachvollziehen. „Das tut uns leid“, sagte Köth.

Von Peter Dilling

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