Amtsgericht: Bewährungsstrafe für 30-Jährigen, der bei Alkoholfahrt einen Motorradfahrer schwer verletzte

Im Vollrausch Menschenleben gefährdet

Niestetal/Kassel. Um Haaresbreite ist ein Motorradfahrer im September vergangenen Jahres dem Tod entronnen. In einer Kurve bei Sandershausen krachte der 32-Jährige aus Kassel mit seiner Maschine frontal gegen ein Auto. Er trug Brüche und diverse andere Verletzungen davon, hat inzwischen fünf Operationen hinter sich.

Er ist, wie ein Gutachten bestätigt, nicht schuld an dem Unfall gewesen. Der Autofahrer, der ihm auf seiner Spur entgegenkam, war betrunken. Der 30-Jährige aus Niestetal kam jetzt vor dem Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe davon.

Es ist nicht das erste Mal, dass er sich wegen eines solchen Delikts verantworten muss. 2009 hatte er wegen Trunkenheit im Straßenverkehr nicht nur eine Geldstrafe kassiert, damals war ihm auch die Fahrerlaubnis entzogen worden. Danach, sagte er vor Gericht, hatte er mit dem Trinken aufgehört. Er begann damit erneut, als er in eine Beziehungskrise geraten war.

„Einfach nur weg“

Als der Unfall passierte, um den es jetzt vor Gericht ging, hatte er Geburtstag. Schon am Abend zuvor hatte er begonnen, mit Freunden hineinzufeiern. Da kam es wieder zum Streit mit seiner Frau. Betrunken und wütend stieg er in seinen Wagen. „Ich wollte einfach nur weg.“ Von dem Unfall habe er nichts mitbekommen, die Erinnerung setzte erst wieder ein, als er auf der Polizeistation angekommen war. Der Motorradfahrer berichtete dem Gericht eindrücklich, wie er den Vorfall erlebt hat: Er war gegen 4.30 Uhr auf dem Nachhauseweg, da bemerkte er in einer Kurve die Scheinwerfer eines Autos. „Ich habe versucht auszuweichen, doch es ging nicht.“ Der Aufprall war so heftig, dass das Motorrad danach nur noch „fragmentarisch“ als solches erkennbar war, so ein Polizeibeamter als Zeuge.

Der Kradfahrer verspürte „Schmerzen, die kaum auszuhalten waren“. Er versuchte mit letzter Kraft, auf sich aufmerksam zu machen. Doch der Autofahrer hatte sich aus dem Staub gemacht. Ein Taxi, das zufällig vorbeikam, hielt an, die Insassen riefen Rettungswagen und Polizei, der sich ein „Bild des Schreckens“ bot, so eine Beamtin.

Der Angeklagte hatte sein Auto am Unfallort zurückgelassen, wenig später wurde er als Halter ausfindig gemacht und festgenommen. Er habe einen „überheblichen Eindruck“ gemacht und nicht wahrhaben wollen, dass durch seine Schuld beinahe ein anderer Mensch ums Leben gekommen wäre, erinnerte sich der Beamte, der den 30-Jährigen vernommen hatte. Der habe beteuert, nichts mit dem Vorfall zu tun zu haben.

Vor Gericht zeigte er sich jetzt reuig, entschuldigte sich bei dem 32-Jährigen. Er kam mit neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden, davon. Die Fahrerlaubnis ist er für die nächsten 22 Monate los, außerdem muss der Mann 1500 Euro an den Bund gegen Alkohol im Straßenverkehr zahlen.

Von Ralf Pasch

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.