Hintergrund ist  - Bürgermeister: Einsatz gesichert

Interner Streit: Niestetaler Wehrführung tritt zurück

Niestetal. Die gesamte Wehrführung der Niestetaler Feuerwehr tritt zurück. 30 Feuerwehrleute legen zum Freitag, 18. Januar, ihre Ämter nieder – darunter der Gemeindebrandinspektor, seine beiden Stellvertreter, etliche Zug- und Gruppenführer, Gerätewarte sowie die Leitungen von Kinder- und Jugendfeuerwehr.

Vorausgegangen ist ein jahrelanger Streit innerhalb der Niestetaler Feuerwehr, der sich vor allem um den Begriff Kameradschaft und die Beteiligung an Übungsdiensten drehte.

„Der Brandschutz bleibt sichergestellt“, teilte Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) mit. Er geht davon aus, dass ab dem 18. Januar 39 Mitglieder in der Einsatzabteilung verfügbar sind. Weitere Interessierte hätten ihren Eintritt angekündigt, so der Bürgermeister. Wenn notwendig, solle Löschhilfe der Nachbarwehren in Anspruch genommen werden. Der stellvertretende Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek werde die Niestetaler Wehr vorübergehend führen. Innerhalb von zwei Monaten soll bei einer Mitgliederversammlung eine neue Wehrführung bestimmt werden.

HINTERGRUND: Pflichtfeuerwehr als letztes Mittel

Damit der Brandschutz in Niestetal gewährleistet ist, hält das Brandschutzamt des Landkreises Kassel eine Personalstärke von 36 Personen - 18 Aktive plus 18 Wehrleute als Reserve - für notwendig. Gegenwärtig werde geprüft, wie es um die Qualifikation der verbliebenen Feuerwehrleute in Niestetal bestellt ist, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn am Dienstag auf HNA-Anfrage. In der Übergangsphase werden die Feuerwehren von Kassel, Kaufungen und Nieste die Niestetaler Brandschützer unterstützen. Für den Fall, dass sich die Freiwillige Wehr als nicht einsatzfähig erweisen würde, könnte die Gemeinde Männer und Frauen zwischen 18 und 50 Jahren zum Feuerwehrdienst verpflichten oder eine Berufsfeuerwehr aufstellen. (ket)

Fortgeführt werden laut Siebert die Angebote für Kinder und Jugendliche. Die Jugendfeuerwehr trifft sich am 24. Januar um 18 Uhr, die Kindergruppe „Löschwichtel“ am 25. Januar um 16.30 Uhr.

Der Streit schwelte bereits seit drei Jahren. Doch mehrere Schlichtungsversuche zwischen der alten Garde und den jüngeren Funktionsträgern scheiterten.

Nun werfen 30 Feuerwehrleute das Handtuch. Sie fühlen sich auch von der Gemeinde im Stich gelassen und werfen ihr zögerliches Handeln und mangelnde Unterstützung vor. Das erklärte der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Gerd Ullrich für die 30 Austretenden im Gespräch mit der HNA.

Im Kern gehe es bei dem Streit um den Wandel der Feuerwehr zu einem technischen Dienst. Den hätten vor allem ältere Kollegen nicht mitvollziehen wollen, sagte Ullrich. So verweigerten sie die Teilnahme an den vorgeschriebenen Übungseinheiten. Motto: „Wir haben schon früher jedes Feuer aus bekommen.“ Der Wehrführung warfen sie im Gegenzug vor, keinen Wert auf Kameradschaft zu legen. Die konterte, es fließe zu viel Alkohol bei den Treffen.

Anfang 2012 bat die Wehrführung die Gemeinde um Hilfe. Die schaltete einen externen Mediator ein. Als Ergebnis sei der Ausschluss eines älteren Feuerwehrmannes empfohlen worden, der immer wieder Stimmung gegen die Wehrführung gemacht habe, ohne seinen Pflichten nachzukommen, sagt Ullrich.

Doch der Gemeindevorstand konnte sich nicht zu einem Ausschluss durchringen. Nach Beratung durch den Städte- und Gemeindebund teilte er der Wehrführung Ende 2012 mit, dem Ausschluss werde wegen unklarer Rechtslage nicht stattgegeben. Am 17. Dezember beschloss die komplette Wehrführung, den ehrenamtlichen Dienst zum 18. Januar 2013 zu quittieren.

Artikel aktualisiert um 17.55 Uhr

„Wir haben es trotz professioneller Hilfe nicht geschafft, zu vermitteln“, sagte Bürgermeister Siebert. Er hatte eigens seinen Weihnachtsurlaub abgebrochen, um eine Lösung zu finden.

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