Lärmbelastung für Anwohner wird steigen

Nordkurve Kassel: Täglich sollen 40 Güterzüge fahren

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Unbequemer Wendepunkt: Der Schienen-Güterverkehr soll den Kasseler Rangierbahnhof  künftig umfahren können, um die Strecke Paderborn-Halle attraktiver zu machen. Dafür muss aber die sogenannte Nordkurve Kassel gebaut werden.

Kreis Kassel. Die Deutsche Bahn Netz AG plant den Bau einer neuen eingleisigen Güterzugstrecke nördlich von Kassel – die sogenannte Nordkurve Kassel. Aber was steckt konkret dahinter?

Entstehen soll die bis zu acht Kilometer lange Strecke im Dreieck zwischen Immenhausen, Kassel und Wilhelmshausen. Auf ihr sollen ab 2025 mit Tempo 80 etwa 40 Güterzüge pro Tag rollen – was im Schnitt etwa einen Güterzug alle 30 Minuten ausmacht. 250 Mio. Euro könnte das Projekt kosten. Drei Streckenvarianten stehen bereits zur Debatte, weitere könnten noch folgen:

  • Variante 1: von Espenau-Mönchehof über Fuldatal-Rothwesten bis nach Staufenberg-Speele (acht Kilometer).  
  • Variante 2: von Espenau-Mönchehof südlich an Fuldatal-Simmershausen vorbei bis nach Fuldatal-Ihringshausen (etwa 5,5 Kilometer). 
  • Variante 3: Verbindungskurve in Niedervellmar (etwa zwei Kilometer). Alle drei Varianten verbinden als Abkürzung die Eisenbahnstrecken Paderborn-Kassel und Kassel-Hann. Münden. Bislang treffen sich diese beiden Strecken erst im Kasseler Rangierbahnhof (Kopfbahnhof), was laut Informationen der DB Netz AG, stets „einen zeit- und kostenaufwendigen Fahrtrichtungswechsel der Güterzüge notwendig macht“. Durch den Bau der Nordkurve Kassel verkürze sich die Fahrzeit um bis zu 30 Minuten. 

Mit der Nordkurve Kassel soll die überregionale Strecke Paderborn-Halle für Güterzüge attraktiver gemacht werden. Gleichzeitig werde damit eine Entlastung der weiter nördlich verlaufenden Achse Minden-Hannover-Braunschweig-Magdeburg erzielt. Bislang steckt das Projekt in der frühen Planungsphase. Eine Antragskonferenz im RP Kassel hat es schon gegeben. „Damit sind erste Vorbereitungsschritte zur Einleitung eines Raumordnungsverfahrens eingeleitet worden“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel. 

Dass die eingleisige Güterzugstrecke nördlich von Kassel gebaut wird, ist bereits sehr sicher – längst ist die Nordkurve Kassel im Bundesverkehrswegeplan 2030 als vordringlicher Bedarf zur Engpassbeseitigung aufgenommen. Nur welcher Trassenvariante letztlich der Vorzug gegeben wird, werden die kommenden Planungen noch zeigen.

Möglicherweise aber könnte die Variante 2 (in der Grafik blau) von Espenau-Mönchehof südlich an Fuldatal-Simmershausen vorbei bis nach Fuldatal-Ihringshausen das Rennen machen, zumal sie – im Gegensatz zur Variante 1 – kürzer ist und ohne Brückenbau über die Fulda auskommt und auch nicht so nah am Ballungsraum Kassel/Vellmar vorbeiführt wie Variante 3.

Die Variante 2 fand schon in einem Arbeitspapier des RP zur neuen Regionalplanung vom November 2017 als „Kurve Mönchehof-Ihringshausen“ explizit Erwähnung. Im alten Bundesverkehrswegeplan war diese Variante noch als „Verbindungskurve Mönchehof-Speele“ bezeichnet worden.

Im derzeitigen rechtsgültigen Regionalplan Nordhessen ist das Vorhaben allerdings noch nicht enthalten. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum jetzt noch ein Raumordnungsverfahren eingeleitet werden muss.

Hinter all dem steht die Prognose, dass der Schienengüterverkehr in Deutschland bis zum Jahr 2025 stark ansteigen wird – auch auf der Güterverkehrsstrecke von Mitteldeutschland in das Ruhrgebiet bis zu den Seehäfen nach Holland und Belgien.

Um die ganze Grafik zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Nordkurve Kassel als neue Lärmquelle

Zu Überlastungen wird es demnach vor allem auf der jetzt schon stark beanspruchten Strecke Minden-Hannover-Braunschweig-Magdeburg-Halle kommen. Um dort die Situation zu entschärfen, soll nun die südlichere Linie Paderborn-Kassel-Halle dadurch attraktiver gemacht werden, dass die Nordkurve Kassel ein kosten- und zeitaufwendiges Umkoppeln der Lokomotiven im Kasseler Rangierbahnhof überflüssig macht. Durch diese Abkürzung würde aus der Strecke Paderborn-Kassel-Halle dann nur noch die Strecke Paderborn-Halle – also ohne Kassel – werden.

Ab dem Jahr 2025 sollen etwa 40 Güterzüge pro Tag diese Nordkurve Kassel befahren. Was für die Anwohner dort in Sachen Lärm eine deutliche Mehrbelastung bedeuten würde, wäre für die Menschen entlang der alten Kassel-Route eine Entlastung um genau diese Zuganzahl. Schon heute fahren hier 30 bis 35 Güterzüge je Richtung und Tag die Strecke Paderborn-Kassel, die Linie Kassel-Hann.Münden wird aktuell von etwa 50 Güterzügen je Tag in Ost-West Richtung genutzt.

Güterzug in Hann. Münden: Der neue Korridor würde die Strecke Paderborn-Kassel-Hann. Münden abkürzen.

Runder Tisch für die Öffentlichkeit 

Bereits während dieser frühen Planungsphase will die Deutsche Bahn regelmäßig zu „Runden Tischen“ einladen. Dabei werden die Vertreter der lokalen Anrainer, Organisationen und Institutionen über den Fortschritt der Planungen informiert. Auch sollen Anregungen aufgenommen werden, um diese frühzeitig in die Planungen einfließen lassen zu können. „Die Runden Tische sind als Ergänzung zu den formellen Verfahren Raumordnung und Planfeststellung zu verstehen“, heißt es bei der Bahn. Konkrete Termine würden rechtzeitig bekannt gegeben. Auch Bürger sollen nicht zu kurz kommen. Neben Gesprächen vor Ort wird zusätzlich zu Info-Veranstaltungen eingeladen. Auch hierzu würden rechtzeitig Termine bekannt gegeben.

So geht es mit den Planungen weiter 

Kassel steckt noch in den Kinderschuhen. Erst jüngst hat es die Antragskonferenz zur Vorbereitung eines Raumordnungsverfahrens (ROV) gegeben. Mit dabei waren Vertreter der DB Netz AG, des RP Kassel, des Landkreises Göttingen sowie Vertreter von Kommunen und Verbänden. Ziel war es, die DB Netz AG darüber zu informieren, welche Unterlagen von ihr als Antragstellerin für die Raum- und Umweltverträglichkeitsuntersuchungen im ROV vorzulegen sind. Im ROV wird genau geprüft, inwieweit Mensch, Umwelt und Natur durch das Vorhaben beeinträchtigt werden könnten. Auch die Öffentlichkeit wird hieran beteiligt. Im Ergebnis wird dann die bestmögliche Variante ausgewählt. Bis es so weit ist, wird das Jahr 2020 vergangen sein. Anschließend beginnt die Entwurfs- und Genehmigungsplanung (Planfeststellung) – ebenfalls mit öffentlicher Beteiligung. In dieser Phase wird die im ROV ausgewählte Trassen-Variante detailliert bis zur Baugenehmigung (Planfeststellung) geplant. Im letzten Schritt folgen dann die Ausführungsplanung sowie der Bau der neuen Schienenstrecke. All das wird noch einmal vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.

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