Monika Bindig rettete historische Platte vor dem Schrott – Fund stammt aus dem 18. Jahrhundert

Ofenschmuck jetzt in der Simmerhäuser Schmiede

+
Blickfang in der Simmershäuser Schmiede: Eine historische Ofenschmuckplatte (Hintergrund) wurde von Monika Bindig dem Fuldataler Geschichts- und Museumsverein übergeben. Theofil Hermann, der die Platte wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzte, erhielt von ihr noch eine Erläuterung zu der Schmuckplatte.

Fuldatal. Die Alte Schmiede in Simmershausen hat einen neuen Blickfang. Eine historische Ofenschmuckplatte, auf der Szenen des Berg- und Hüttenwesens abgebildet sind, ziert nun den Schmiederaum.

Auf ihr wird bildlich dargestellt, wie das in einer Schmiede verwendete Eisen gewonnen und hergestellt wird. Buchstäblich vor dem Schrott hat Monika Bindig aus Simmershausen das alte Schmuckstück gerettet. So kam die Ofenplatte nach Simmershausen. Bindig interessierte sich auch für deren Geschichte und Herkunft. Im Internet wurde sie fündig. Demnach wurde die Schmuckplatte im 18. Jahrhundert auf der Eibelshäuser Hütte im Dillgebiet gegossen. Das Motiv entstand auf der Basis eines Kunstdrucks, der bei den Hessischen Hüttenwerken in Hirzenhain angefertigt worden war.

Die Ofenplatte mit der Inschrift „Ora et labora“ (Bete und arbeite) stehe für die ethische Grundeinstellung der damaligen Berg- und Hüttenleute. Auf der Platte oben rechts ist dargestellt, wie ein Bergmann zur Kapelle geht, um zu beten. Drei Stollenmundlöcher sind oben links zu sehen, unterhalb wird ein Kohlenmeiler errichtet, Erz wird mit einem Haspel zutage gefördert, zu einem Erzlagerplatz und von dort mit einem Pferdefuhrwerk zum Hochofen transportiert.

Ein Holzkohlenhochofen ist unten rechts dargestellt, der zugleich beschickt und abgestochen wird. Das Hammerwerk mit Frischherd und Eisenhammer befindet sich links davon.

Monika Bindig fand weiter heraus, dass ein sogenannter Plattenofen aus vier Ofenplatten im Geviert mit Decken- und Bodenplatte bestand, wobei die Frontplatte meist mit einer Darstellung versehen wurde. Oft wurde der Ofen in eine Wand eingelassen und vom Nachbarraum, von Küche oder Flur aus beheizt.

Diese gusseisernen Öfen mit ihrem Bildschmuck waren teuer, sodass sie sich nur der Adel und die Landesherren leisten konnten. Erst später wurden sie in Rathäusern und Häusern wohlhabender Bürger und Bauern eingebaut.

Die schöne Schmuckplatte sollte, so Monika Bindig, einer breiten Öffentlichkeit erhalten bleiben. Deshalb trennte sie sich schweren Herzens von dem Stück und übergab sie kürzlich an Theofil Hermann, dem Beauftragten für die historische Schmiede des Geschichts- und Museumsvereins Fuldatal. Hermann reinigte und versiegelte die Ofenplatte fachmännisch, die danach ihre ursprüngliche Farbe wieder annehmen wird. Jetzt hängt sie in der Schmiede. (phk)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.