Bällchen gegen Langeweile

Tag der offenen Tür im Schweinemastbetrieb

Hier kommt das Futter hinein: Falk Fröhlich (unten), Heinrich Hellmuth (von links), Heinrich Paul, Christoph Jerrentrup und Stephan Kraska fachsimpelten über Schweinemast. Sie sind als Fleischer, Händler oder Züchter allesamt Experten. Fotos: Dilling

Baunatal. Der Betonboden mit den Schlitzen für die Fäkalien ist blitzblank. Die Gasbrenner-Heizung faucht. Die Lüftungsanlage surrt in Abständen monoton.

Jungbauer Sascha Kaiser führt sein Publikum durch die weitläufigen Boxen seiner neu gebauten Schweinemastanlage. Helles Licht, blinkende Leuchtanzeigen und Schalter im Technikraum, wo ein einziger Mann den Betrieb steuern wird.

Am Tag der offenen Tür am Samstag erhielt die Landwirtsfamilie Kaiser viel Besuch von Leuten, die vor allem neugierig waren, wie Schweine in dem modernen Betrieb an der Autobahn A44 bei Rengershausen gehalten werden. Sie schauten sich die automatische Fütterungsanlage an, die riesigen Futtersilos und die Bällchen, mit denen die Schweine spielen sollen, um sich aus Langeweile nicht gegenseitig zu verletzen. Die Skeptiker, die im Vorfeld des Projekts Sorge vor dem Gestank von Schweinemist und -gülle geäußert hatten, fehlten oder meldeten sich jedenfalls nicht zu Wort.

Noch seien die Schweine ja nicht da, sagt Friedhelm Wicke aus Rengershausen. Diese sollen, so hofft es Kaiser, in etwa zwei Wochen angeliefert werden. Wicke macht sich keine großen Gedanken wegen einer Geruchsbelästigung. „Wir haben überwiegend Westwind“, sagt er. Dadurch wehe der Geruch Richtung Autobahn. Die Luft werde im Dorfkern sogar eher besser, glaubt Wicke. Denn Kaiser wolle seine 250 Schweine, die er dort hält, in den Betrieb auslagern.

Auch Peter und Doris Kranz, die zu Fuß aus dem benachbarten Dennhausen herübergekommen sind, sehen die Sache entspannt. Die Knallhütte-Brauerei verursache schließlich auch Gerüche, mit denen man leben müsse. Überhaupt könne man die Schweinemast nicht verdammen, wenn man gern Bratwurst auf dem Tisch habe.

Die Gerüche, die ins Dorf wehen, würden minimal sein, meint Heidi Hilgenberg, die mit ihrem Mann aus Felsberg gekommen ist. Schließlich habe der Betrieb gute Filter und hohe Schornsteine, die die Abluft weitflächig verteilten, sagt sie. Landwirt Falk Fröhlich ist von Berufs wegen optimistisch. Er betreibe seine Schweinemastanlage außerhalb von Hertingshausen schon neun Jahre. In dieser Zeit habe er keinen nennenswerten Ärger mit Nachbarn gehabt, erzählt er.

Von Peter Dilling

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