Erfolgsgeschichte: Lernpaten helfen Grundschülern am Baunsberg, mit Hausaufgaben besser klarzukommen

„Ohne Mathe ein Höhlenmensch“

Fehlern auf der Spur: Vanessa Förster zeigt Ramazan (links) und Marvin (rechts), wie man nach einem Diktat die Rechtschreibung seines Textes noch einmal kontrolliert. Fotos:  Dilling

Baunatal. Ramazan Tak studiert konzentriert den Text, den ihm Vanessa Förster gerade diktiert hat. Vier Fehler hat er schon selbst gefunden. Besser er als der Lehrer. Selbstkontrolle hilft dabei, schlechte Noten zu vermeiden, hat der Zehnjährige gelernt. Ramazan geht zur Friedrich-Ebert-Schule und hat den Traum, einmal das Gymnasium zu besuchen. Vanessa hilft ihm dabei, diesem Ziel näher zu kommen.

Die 17-jährige Fachoberschülerin gehört zu den erfahrensten der zwölf ehrenamtlichen Lernpaten im Stadtteilzentrum Baunsberg, die zweimal pro Woche Grundschülern mit Lernproblemen helfen und mit ihnen trainieren, sich besser zu konzentrieren.

Ramazan, dessen Eltern aus der Türkei stammen, kennt sie schon lange. Ihr zweiter Schüler, der Drittklässler Marvin, kommt erst seit einem Jahr zu den Lernhilfenachmittagen. „Am Anfang haben sie gar nichts gesagt, jetzt quasseln sie nur noch“, sagt Vanessa scherzhaft über ihre beiden Schützlinge. Ramazan und Marvin freuen sich inzwischen längst, wenn sie mit der 17-Jährigen üben sollen. In Deutsch habe er vorher „immer Fünf“ gestanden, in Mathe Drei oder Vier. Jetzt habe er im Rechnen eine Zwei. „Ohne Mathe ist man ja ein Höhlenmensch“, sagt Ramazan grinsend. In Deutsch hapert es noch. Vanessa will ihn auch dort auf eine Zwei bringen

In Mathe schlecht

Ein paar Räume weiter zeigt Kim Fischbach (18) ihrem Schüler Patryk Jugoviec, wie man die Flächen von Dreiecken und Quadraten berechnet. In Deutsch sei er „nicht so gut“ gewesen, erzählt Patryk, Mathe lief noch schlechter für den Fünftklässler. Inzwischen habe er sich mit Kims Hilfe um etwa eine Note verbessert, berichtet der Elfjährige.

Von Anfang an hat sich die Idee der Lernpatenschaft zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht nach dem Modell der klassischen Nachhilfe funktioniert. Die Lernpaten, Schüler und Studenten, sprechen nicht nur mit ihren Schützlingen den Unterrichtsstoff durch. Sie bringen ihnen bei, wie man eigenständig lernt und Lösungen erarbeitet. Daneben hören sie geduldig zu, wenn die Kinder ihren Schulfrust oder andere Probleme loswerden wollen. Spiele zwischendurch lockern die Unterrichtsstunden auf. Dabei tanken die Kinder auf, wenn ihre Konzentration nachlässt.

„Die Lernpaten helfen den Kindern, das Lernen zu lernen“, sagt Manuela Döring vom Stadtteilzentrum, die das Konzept entwickelt hat. Dazu gehört die enge Zusammenarbeit zwischen den Lehrern der Friedrich-Ebert-Schule und den Lernpaten. Regelmäßig sprechen sie darüber, welche Defizite aufgearbeitet werden müssen.

Doch nicht nur die Kinder profitieren. Es mache ihr großen Spaß zu erleben, welche Fortschritte ihre Schüler machten, sagt Vanessa Förster. HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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