Eine Halbzeitbilanz

Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß: Ohne Mehrheit einiges bewegt

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Hat die erste Hälfte seiner Amtszeit hinter sich: Sozialdemokrat Arnim Roß sitzt seit Sommer 2010 auf dem Chefsessel im Kaufunger Rathaus.

Kaufungen. Als Arnim Roß am vergangenen Wochenende den sanierten Bürgerhaussaal wiedereröffnete, erinnerte sich kaum mehr jemand daran, dass Kaufungens Bürgermeister an gleicher Stelle eigentlich lieber zwischen Supermarktregalen gestanden hätte.

Der Sozialdemokrat, der im Sommer 2010 ins Rathaus einzog, wollte einen Lebensmittelmarkt in dem 1960er-Jahre-Bau ansiedeln, um den Ortskern von Oberkaufungen zu beleben.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es ausgerechnet zwei von ihm zunächst nicht gewollte Projekte sind, die der 50-Jährige nun auf seiner Erfolgsliste verbuchen kann und die ihm Luft für das verschaffen, was er aus voller Überzeugung umsetzen will.

Im Herbst, wenn Edeka seinen Supermarkt auf dem Riffer-Gelände eröffnet, wird Roß seine im Wortsinne größten Baustellen der ersten Amtszeit erledigt haben.

Im Nachhinein sieht er die Niederlage entspannt. „Es läuft nicht immer so, wie man es sich vorstellt“, sagt er im HNA-Gespräch.

Die Halbzeitbilanz - Roß ist bis 2016 gewählt - fällt besser aus, als viele nach dem schwierigen Start des früheren Leiters mehrerer Awo-Altenheime erwartet hatten. Ausgerechnet im Festjahr 2011, als Kaufungen sein 1000-jähriges Bestehen feierte, stürzte die SPD ab. Bei der Kommunalwahl landeten die einst dominierenden Genossen nur noch bei 36,8 Prozent. Die Menschen in Kaufungen hatten genug von der jahrelangen, fruchtlosen Debatte über den richtigen Standort für den Lebensmittelmarkt.

Und die Partei durchlebte die schwerste Krise ihrer über 100-jährigen Geschichte: Fraktionschef Helmut Bring (er verschwieg seinen Leuten ein gegen ihn laufendes Gerichtsverfahren) und die Abgeordnete Antje Rumpf (sie machte als Abweichlerin den Weg für Edeka auf dem Riffer-Gelände erst frei) verließen die Genossen.

Doch obwohl die Krise noch nicht ausgestanden war, brachte der verwaltungsintern als vorsichtig, nach Lesart mancher Verwaltungsmitarbeiter gar als misstrauisch geltende Roß in dem auf fünf Parteien angewachsenen Parlament zahlreiche Projekte auf den Weg: Ein Konzept für die Kinderbetreuung wurde verabschiedet, der neue Losseweg und die Umgestaltung des Brauplatzes in Oberkaufungen wurden ebenso beschlossen wie ein umfangreiches Sparprogramm. Es fielen die Entscheidungen für die Bebauung des Festplatzes am Kreisel und die Rückführung des Stromnetzes in die Regie der 12 500 Einwohner zählenden Gemeinde.

„2012 war bisher eindeutig das anspruchsvollste Jahr“, so der Verwaltungschef, der feste politische Bündnisse nicht für zwingend notwendig hält. Auf einen breiten Konsens setzt Roß allerdings bei dem Thema, das die Kaufunger aktuell am stärksten bewegt: Was wird aus der Autobahn 44? „Unsere Forderungen sind klar geworden“, betont der Bürgermeister, „ich glaube, dass hier Entwicklung drin ist.“ Roß, dessen Vater einst die Geschicke der Gemeinde Oberkaufungen lenkte, redet und handelt heute entschlossener als zu Beginn seiner Amtszeit. Er lässt Diskussionen zu („Ich habe nicht den Anspruch, immer zu wissen, wo es langgeht“), fordert aber auch Entscheidungen ein. Nur nichts schleifen lassen: Diesen Grundsatz hat der verheiratete Vater zweier Kinder verinnerlicht. „Die Bürger erwarten, dass wir zu Lösungen kommen.“

Roß, in dessen Dienstzimmer ein Foto seines Vorbilds Willy Brandt („Menschliche Art, Politik zu machen“) hängt, hat Geschmack an dem „wunderschönen Beruf“ des Bürgermeisters gefunden. Das heißt, er tritt 2016 wieder an? „Mir macht das Amt Spaß“, sagt er und lächelt.

Von Peter Ketteritzsch

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