Wichtig in Nachkriegszeit: Selbermachen und Wiederverwenden

Omas am Spinnrad

Wolle aus eigener Herstellung: Spinnräder waren früher in vielen Bauernhäusern zu finden. Bei der Arbeit ging es oft gesellig zu. Foto: Sammlung Ria Ahrend/nh

Baunatal. In einem Geschäftshaushalt müssen alle Familienmitglieder mithelfen, die Hausarbeit zu bewältigen. So blieb es mir als Schulkind auch nicht erspart, tagtäglich neben der Schularbeit im Haus oder Garten mitanzufassen. Ich entschied mich lieber für die Arbeiten im Haus.

So reinigte ich entweder das Bad und putzte die Haustreppe, oder ich bohnerte den Flur und die Küche. Außerdem musste ich noch des öfteren meinen kleineren Bruder hüten.

Meine Cousine blieb nebenan im Bauernhaus von den Putzarbeiten verschont, so dass es ihr immer großen Spaß bereitete, mit mir gemeinsam den Bohnerbesen zu schwingen. Abwechselnd stellten wir uns auf den Bohnerblock und reinigten so in Bahnen den braunen Linoleum-Fußboden. Dann wurde ein Bohnertuch unter den Block gelegt, um Hochglanz zu erzielen, und ab ging die Post!

Berg von Strümpfen gestopft

Meine Schwester saß oft vor einem Berg von Strümpfen, die viele Löcher aufwiesen und gestopft werden mussten. Neue Strümpfe gab es, wenn überhaupt, nur auf Bezugschein.

Auch bei der Wäsche waren wir Kinder behilflich. Dank einer hölzernen Waschmaschine mit Drehkreuz und angebrachtem Wringer war das Wäschewaschen nicht gar so beschwerlich. Nachdem die Kochwäsche über Nacht in einem großen Waschkessel gekocht war, wurde sie am anderen Tag in einem Bottich nachgewaschen. Anschließend durfte ich dann die Kurbel des Wringers mit der Hand betätigen oder aber die Wäsche in die hölzernen Walzen einlegen.

Nicht selten passierte es, dass die Fingerkuppen mit der Wäsche in die Walzen gezogen wurden. Dann war das Geschrei groß!

Hinter der Werkstatt wurde die Weißwäsche auf einem kleinen Rasenstück zum Bleichen ausgelegt. Mit einer Gießkanne musste ich dann öfters die Wäsche besprengen, damit sie trotz des sparsam verwendeten Waschpulvers durch die Sonne einigermaßen „Grund“ bekam. Nach mehrmaligem Spülen, Wringen und Trocknen der Wäsche wurde sie gebügelt. Wir hatten Glück, denn eine befreundete Familie besaß eine große hölzerne Mangel, so dass wir die großen Teile zum Bügeln dorthin brachten.

Einmal im Monat war Flicktag angesagt. Dann wurde beispielsweise aus zwei dünnen Betttüchern wieder ein brauchbares hergestellt. Auch mit Kleidern und Hosen wurde so verfahren. Eine Schneidermeisterin, die in unserem Haus wohnte, nähte aus karierten Bettbezügen schöne Dirndlkleider für meine Schwester und mich gegen ein kleines Entgelt.

Wegen der Wolle hielten wir uns gleich nach dem Krieg ein Schaf. Nach der Schur wurde die Wolle gewaschen. Ein unangenehmer Geruch stieg dabei in unsere Nasen.

Hilfe beim Zusseln

Wir Kinder halfen auch beim Zusseln der Wolle, damit unsere Oma leichtere Arbeit beim Spinnen hatte. Ganz fein drehte sie die Fädchen. Zu kleingewordene Stricksachen wurden wieder aufgeribbelt, die Fäden auf einem Brettchen aufgezogen, gewaschen und nach dem Trocknen zusammen mit dem feinen Schafwollfaden zu einem melierten Garn gedreht. Aus diesen bunten Garnen entstanden neue, schöne Pullover und andere Stricksachen, die sehr warm hielten und einige Winter halten mussten.

Die gebrauchten Anziehsachen der älteren Geschwister wurden in der Regel von den jüngeren aufgetragen. http://zu.hna.de/rtdTux

Von Ria Ahrend

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