Schon 159 Projekte im gesamten Landkreis

Interkommunale Zusammenarbeit ist immer stärker gefragt

Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit: Kassel und Lohfelden haben das Gewerbegebiet Lohfeldener Rüssel an der Autobahn 7 gemeinsam entwickelt. Herzstück ist der SVG-Autohof. Archivfoto: Schindler

Kreis Kassel. Fuldatal teilt sich einen Elektriker mit acht weiteren Kommunen, darunter Calden, Hofgeismar und Kaufungen. Espenau und Immenhausen leisten sich mit dem Zweckverband kommunale Dienste einen gemeinsamen Bauhof, während sich Oberweser, Calden, Espenau und Grebenstein bei der Verkehrsüberwachung zusammen der Raser annehmen.

Interkommunale Zusammenarbeit heißt das Stichwort, das immer mehr Städte und Gemeinden antreibt, um Geld zu sparen und Energien zu bündeln.

Das reicht von kleinen Maßnahmen wie der gemeinsamen Beschaffung von Büromaterial bis hin zu größeren Projekten wie dem Güterverkehrszentrum (GVZ) in Kassel-Waldau, an dem Fuldabrück, Lohfelden und Kassel beteiligt sind und dem Gewerbegebiet Lohfeldener Rüssel mit Lohfelden und Kassel als Partnern. Dort siedelten sich bislang sechs Betriebe an, darunter als Herzstück der SVG-Autohof.

159 Kooperationen gibt es inzwischen im Landkreis, bilanziert Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Davon 108 im Altkreis Kassel, 32 im Altkreis Hofgeismar und 19 im Kreisteil Wolfhagen. Spitzenreiter bei den Kommunen ist Ahnatal mit 20 Beteiligungen. Ein Drittel aller Kooperationen entstand dabei in den vergangenen drei Jahren. Im Trend liegt in jüngster Zeit laut Kühlborn - wie bei Ahnatal und Espenau - die Zusammenarbeit bei den klassischen Dienstleistungen im Bereich der Standesämter.

„Das hat sich bewährt, da kann man schon Honig draus saugen“, sagt Espenaus Bürgermeister Michael Wielert zum Thema interkommunale Zusammenarbeit und dem gemeinsamen Bauhof von Espenau und Immenhausen. Seine Erfahrung: „Je konkreter die Kooperationen sind, desto besser funktionieren sie.“ Auf etwa eine halbe Personalstelle beziffert Wielert den gesamten Spareffekt für seine Gemeinde. „Haushalte kann man damit nicht sanieren“, sagt er aber.

Eine Entwicklung, die auch Landrat Uwe Schmidt (SPD) unterstützt. Kooperationen seien der richtige Ansatz, „um auch den demografischen Wandel - den Bevölkerungsrückgang - zu bewältigen“, sagt er. Aber: „So etwas muss wachsen, das kann man nicht verordnen.“

Langfristig gesehen könnte die interkommunale Zusammenarbeit die Vorstufe für eine viel weitergehende Zielsetzung sein: „Ganze Kommunen müssen zusammengehen. Das muss am Ende dabei rauskommen“, sagt Immenhausens Bürgermeister Herbert Rössel. Bis zur kompletten Verschmelzung von Städten und Gemeinden ist es jedoch noch ein weiter Weg. „Davon sind wir hier noch weit entfernt“, sagt Kühlborn.

Auch Land Hessen geht neue Wege

Ähnliche Wege wie viele Kommunen im Landkreis Kassel geht auch das Land Hessen in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit. Ein Beispiel dafür ist die Dorferneuerung. Und da gibt es gleich zwei Premieren: Seit Oktober 2011 ist Trendelburg die erste Kommune in Hessen, in der alle Stadtteile gleichzeitig aufgenommen wurden. Und: Mit Nieste und Helsa wurden zum ersten Mal sogar zwei benachbarte Kommunen gleichzeitig aufgenommen. Hintergrund ist laut Kreispressesprecher Harald Kühlborn ein neuer Blickwinkel für die örtliche Infrastruktur. Das könne bedeuten, dass von zwei Orten vielleicht nur ein Dorfgemeinschaftshaus saniert wird.

Von Stefan Wewetzer

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