Interview

Orthopäde Brand übers Extremwandern: „Gesund ist das nicht“

Nahm zum Extremwandern Stellung: Dr. Werner Brand.

Zwei Espenauer beteiligten sich Pfingsten an der Non-Stop-Wanderung über die 156 Kilometer des gesamten Kassel-Steigs. Wir sprachen mit Dr. Werner Brand, Geschäftsführer des Reha-Zentrums der Gesundheit Nordhessen, außerdem Unfallchirurg, Orthopäde und Sportmediziner, über die Belastungen.

Herr Dr. Brand, wie groß sind die gesundheitlichen Risiken bei solch einer Mammut-tour?

Brand: Gesund ist solch eine Mammutleistung natürlich nicht. Der menschliche Körper benötigt nach Belastung je nach Trainingszustand Erholung (passiv oder besser aktiv) zur Regeneration des gesamten Muskel-Skelett-Systems. Das Risiko, latent vorhandene Gelenk-, Sehnen- und Muskelschäden zu verstärken, ist vorhanden. Außerdem können neue Schäden in diesen Bereichen dazukommen. Dazu kommt, dass zwei Schlafphasen ignoriert werden, die ebenfalls sowohl körperlich als auch geistig benötigt werden. Dabei ist der Schlafentzug sicherlich kompensierbar, sodass hier keine dauerhaften Schäden zu erwarten sind.

Welche Voraussetzungen müssen solche Extremwanderer mitbringen?

Brand: Es muss ein guter Trainingszustand für derartige Belastungen wie bei diesen Langstreckenwanderungen vorliegen. Sowohl die Muskulatur mit ihren Sehnenansätzen als auch die Gelenke sind intensiv auf die Tour vorzubereiten. Genauso wichtig ist die mentale Vorbereitung. Es muss schon ein extremer Wille da sein, so eine Wanderung unbedingt überstehen zu wollen.

Wie können die Strapazen mit 156 Kilometern Kassel-Steig im Vergleich zu einem klassischen Marathon eingeordnet werden?

Brand: Beides sind erhebliche Leistungen, die dem Körper abverlangt werden. Man kann die Strapazen schlecht vergleichen. Die Trainingsvorbereitungen, die für einen Marathon nötig sind, sind schon recht gut erforscht. Eine intensive Vorbereitung der Muskulatur ist essenziell. Ebenso ist das Herz-Kreislauf-System so auf die Belastung hin zu trainieren, um die Strecke überhaupt zu überstehen. Bei den Non-Stop-Wanderungen müssen die Gelenke, insbesondere die Fußgelenke, trainiert werden, um diese Leistung vollbringen zu können.

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