Seit 50 Jahren aktiv: Otto Martelleur

Dienstältester Brandschützer im Landkreis Kassel

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Einsatzübung 2013: Eine Gruppe aktiver Feuerwehrmänner birgt zum Teil unter Atemschutz einen Verletzten aus einer brennenden Garage. Auf dem Bild sind zu sehen: Ralf Staude (von links), Otto Martelleur und Erwin Laskowitz. Auf der Trage liegt der jüngste, aktive Kaufunger Feuerwehrmann, Brian Edopolor (17).

Kaufungen. Otto Martelleur hat bei Einsätzen der Feuerwehr in 50 Jahren fast alles erlebt, was so vorkommen kann: Er bekämpfte mit seinen Kameraden Großbrände, barg Menschen nach schweren Verkehrsunfällen und stemmte sich gegen das Jahrhunderthochwasser.

Der 63-jährige Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Kaufungen ist der dienstälteste Brandschützer im Landkreis Kassel.

„Gut, dass wir Otto Martelleur haben“, sagte Gemeindebrandinspektor Matthias Böttger am Rande einer Einsatzübung. Die Kaufunger Feuerwehr sei sehr stolz auf ihren Kameraden.

„Üben, üben, üben, bis die Abläufe in Fleisch und Blut übergehen“ – so lautet das Motto von Otto Martelleur, der sich die Grundlagen seines Wissens auch in vielen Lehrgängen auf der Feuerwehrschule angeeignet hat. „Als ich 13 war, habe ich eine Löschübung der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Kirchplatz in Niederkaufungen miterlebt, danach schloss ich mich der Jugendfeuerwehr Niederkaufungen an“, erinnert sich der waschechte Kaufunger.

In seinem Hauptberuf führt der gelernte Bekleidungstechniker mit seiner Ehefrau ein Brautmodengeschäft in Kassel. Martelleur ist Vater dreier erwachsener Töchter und dreifacher Großvater.

Löschübung in den 80er-Jahren: Das Bild zeigt den Feuerwehrmann Otto Martelleur (rechts) bei einer Übung im Ortsteil Papierfabrik. Mit auf dem Bild sind Klaus Wittmann (von links) und Thomas Feldmann.

Der Brandschutz hat sich im Laufe der 50 Jahre stark verändert: In der Wasserversorgung haben große Löschfahrzeuge die alte Tragkraftspritze verdrängt. Weil in Gebäuden immer mehr Kunst- und Dämmstoffe verarbeitet wurden, die Umweltbelastungen und Verkehrsunfälle zugenommen haben, sind die technische Ausstattung der Wehren und die Schutzbekleidung der Brandschützer erheblich weiterentwickelt worden.

Otto Martelleur erinnert sich an ganz andere Zeiten. Man trug noch einfache Helme. „Auch unter meinem Helm waren die Ohren frei, als ich während eines Einsatzes bei einem Gaststättenbrand unter starker Hitzeeinwirkung einen schwer verletzten Kameraden über die Brüstung ziehen musste.“ Bei seinem „emotional schwersten Einsatz seiner Laufbahn“ hätte er die heute üblichen Flammschutzhauben gut gebrauchen können, meint Martelleur.

Genauso wichtig sei, so der erfahrene Gruppenführer, die seelsorgerische Betreuung von Aktiven nach Erlebnissen bei schweren Verkehrsunfällen. In solchen Fällen schätze er auch das Gespräch mit Kameraden. Man könne sich so den Frust von der Seele reden.

Gemeindebrandinspektor Matthias Böttger

Immer noch gegenwärtig sind dem erfahrenen Feuerwehrmann auch die Großbrände auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Riffer. 2004 seien fast alle Wehren aus dem Altkreis zur Hilfe geeilt, erinnert er sich. Otto Martelleur lobt die Zusammenarbeit von jungen und älteren Aktiven und die gute Kameradschaft in der Kaufunger Wehr.

In den fünf Jahrzehnten habe es „auch mal Streitereien mit Kameraden “ gegeben, aber keine Austritte. Probleme seien im Gespräch miteinander ausgeräumt worden.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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