Waldkindergarten bietet Freiwilliges Ökologisches Jahr an – Waldstation in Baunatal

Pädagogik unter Bäumen

Haben viel Spaß in der freien Natur: Erzieherin Tatjana Pogrezki (27, von links), Samuel Gräbe (2), Marlo Nürnberger (4), Elijah Fricke (3), Erzieherin Edith Klüttermann (48), Samionos Fricke (4) und Phillip Grunewald (4). Fotos: Jessica Bassing

Niedenstein / Baunatal. Samuel, Phillip und Marlo toben, spielen, klettern und erkunden die Umgebung. Bei Regen, Wind und Sonnenschein. Die Betreuung im Niedensteiner Waldkindergarten findet draußen statt. Das ganze Jahr über.

Als eine der wenigen Institutionen in der Region bietet die Kita ab diesem Monat eine Stelle für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) an. Es findet unter dem Dach des Naturschutzzentrums Wetzlar des Landes Hessen statt.

Seitdem die Wehrpflicht und damit auch der Zivildienst abgeschafft worden sind, stellt sich die Frage, ob bestimmte Einrichtungen einen höheren Zulauf an Bewerbungen für Freiwilligendienste erfahren. Dazu Günterdieter Fricke: „Bislang sind die Bewerberzahlen nicht angestiegen. Diejenigen, die den Wehr- oder Zivildienst abzuleisten hatten, entscheiden sich lieber gleich für den Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung.“ Güntherdieter Fricke ist Leiter des Sozialtherapiezentrums Johanneshof in Baunatal und Gründer des Niedensteiner Waldkindergartens.

20 Plätze im Kindergarten

Fricke bedauert das mangelnde Interesse, denn bei der Arbeit in der Natur könnten viele Erfahrungen für den späteren Berufsweg gesammelt werden. Diese sammeln die Kinder jeden Tag. Zum Verschnaufen und Aufwärmen gibt es aber einen Wohnwagen. Der wurde kürzlich angeschafft. Schnell wird klar, dass es sich dabei nicht um eine übliche Kindertagesstätte handelt. 20 genehmigte Plätze stehen der Tagesstätte zur Verfügung, darunter vier Plätze für Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren. Und noch sind einige Plätze frei.

Kinder finden Themen selbst

Die Einrichtung verfolgt keinen strengen Ablauf und kein festes Programm. Vielmehr werden die Themen von den Kindern selbst gefunden.

„Es ist wichtig, dass Kinder in den ersten Entwicklungsjahren die natürlichen Gegebenheiten der Umwelt kennenlernen. Die Entfremdung von der Natur soll verhindert werden“, erklärt Fricke.

Es sei überaus bedeutsam, dass Kleinkinder eine Verknüpfung mit Gerüchen und bestimmten Geräuschen herstellen, um empfindsamer für die Natur zu werden. „Das zentrale Nervensystem wird durch die heutige Reizüberflutung schon genug in Mitleidenschaft gezogen und muss wieder offener für natürliche Prozesse werden“, fügt der 58-Jährige hinzu. Zwei Kindergärtnerinnen kümmern sich derzeit um sechs Kinder.

„Leider haben wir erst im Herbst vergangenen Jahres eröffnet. Zu der Zeit hatten die meisten Kinder im Umkreis schon einen anderen Kita-Platz in Anspruch genommen“, sagt Fricke.

Die Inspiration für den Waldkindergarten hat er bei Aufenthalten in Nordamerika bekommen. Dort arbeiten sogar schulische Systeme nach diesem Verfahren. (nh)

Von Marcel Schmidt

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