Ein Tag ohne Frauen: Floßbauaktion des Jugendbildungswerks an der Fulda

Mit selbst gebautem Floß auf die Fulda: Sieben Väter kamen mit ihren Söhnen nach Dittershausen, um an der Fulda einen Vater-Sohn-Tag zu verbringen. Helsas Jugendpfleger Markus Ludwig (rechts) und Jugendbildungsreferent Bijan Otmischi (daneben) organisierten die Aktion. Fotos: Markus Kothe

Helsa/Fuldabrück. Klopfen, hämmern, sägen, schrauben, dann ein lautes „Hau Ruck“: Radfahrer auf dem Fuldaradweg bei Fuldabrück-Dittershausen staunten nicht schlecht, als plötzlich zwei Flöße an ihnen vorbeigetragen wurden.

Die „Black Pearl“ und die „Titanic 2“ wurden zu Wasser gelassen. Sieben Väter aus den Landkreisen Kassel und Schwalm-Eder waren dem Aufruf der Jugendarbeit Helsa und des Jugendbildungswerkes des Kreises zum ersten Vater-Sohn-Tag. Die Mission: Zusammen ein Floß bauen und auf der Fulda paddeln.

Der zehnjährige Tim Grunewald aus Helsa-Eschenstruth ist begeistert: „Wir machen endlich mal alleine etwas zusammen.“ Und siehe da, sein Vater Michael nickt zustimmend: „So etwas haben wir noch nie gemacht, das ist eine tolle Erfahrung.“

Der Blick wandert zum Boot, an dem Michael Trautmann aus Gudensberg-Dorla gerade mit seinem Sohn Luca ein Fass mit Spanngurten festzurrt. Auch Trautmann ist sichtlich zufrieden und sagt: „Mein Sohn arbeitet gerne handwerklich, leider fehlt uns die Zeit, öfter alleine zusammen etwas zu machen, meistens ist sein kleiner Bruder dabei.“ Und genau das findet der Elfjährige diesmal gut: „Heute gehört Papi nur mir alleine. Kein Bruder, keine Mutter.“

Jugendarbeiter Markus Ludwig aus Helsa und Jugendbildungsreferent Bijan Otmischi vom Landkreis hören solche Worte gerne, denn genau das wollen sie erreichen. Otmischi: „Früher war es ganz normal, dass Väter mit ihren Söhnen alleine etwas unternommen haben; heute wird die Freizeit meist mit der ganzen Familie verbracht.“ Das sei etwas ganz anderes.

Ludwig ergänzt: „Heute sind bewusst keine Frauen dabei, die Väter zeigen den Kids, wie man hämmert und bohrt.“ Konkret gehe es dabei um den Begriff Risiko. Mütter seien generell vorsichtiger, während Väter dem Nachwuchs die Chance geben, selbst Erfahrungen zu sammeln.

So verwundert es auch nicht, wenn der kleine Luca den Spanngurt festzurrt und Vater Michael nur aufpasst. Den Ton geben die Kinder an diesem Tag an, sagt Bijan Otmischi: „Die Kids planen und sagen ihren Vätern, was sie zu machen haben.“ Das gefällt Tim Grunewald sehr, und auch sein Vater findet es gut: „Die Jungs haben das Floß aus den zur Verfügung stehenden Materialien selbst geplant, wir unterstützen nur.“

Wenn er in das Zimmer seines Sohnes schaue und die Legosteine sehe, sei er immer wieder erstaunt, welche Kreativität in Kindern stecke.

Inzwischen ist das erste Floß fertig gestellt und Schwimmwesten werden bereit gelegt. Vier Kilometer geht es auf der Fulda nach Bergshausen zum Abschlussgrillen. Die Kinder freuen sich schon, denn wer den Ton angibt, wird bestimmt nicht rudern müssen.

Die Väter hingegen wissen, wer am Ende den Grill bedient, der verteilt auch das Essen.

Von Markus Kothe

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