Prager-Eltern-Kind-Programm: Seltener Kurs für die Väter in der Sternschnuppe

Papas übten mit den Babys

Väter unter sich: Pekip-Leiterin Maria Petri erläuterte Andreas Wildung mit Conner Elia, Jörg Reuther mit Emil, Mike Rohde mit Ben, Matthias Patzig mit Joshua, Frank Engel mit Nadia, Stephan Zaun mit Finley und Julian Linz mit Joshua (von links) die Grundsätze des Prager-Eltern-Kind-Programms.

Vellmar/espenau. „Wenn ich groß bin, werde ich Pilot“, mag sich Finley wohl denken, als er glückselig lächelnd auf Papas Schulter durch den Kursraum in der Familienbildungsstätte Sternschnuppe in Vellmar-West schwebt. Geschickt manövriert Stephan Zaun aus Vellmar seinen sechs Monate alten Sohn vorbei an Nadia, Ben, den beiden Joshuas, Emil und Conner Elia, die sich auf den Schultern ihrer Väter ebenfalls wohlzufühlen scheinen. Dass es sich bei dem spielerischen Rundflug um ein riskantes Flugmanöver für ihre Papis handelt, ist den Wonneproppen offensichtlich nicht bewusst: Die Babys tragen keine Windeln.

„Die Kinder sind während der Spielzeit nackt. Sie sollen sich vollkommen frei bewegen. Das ist einer der Grundsätze des Pekip“, erläutert Gruppenleiterin Maria Petri. In ihrem Kurs vermittelt die ausgebildete Sozialpädagogin üblicherweise Müttern Bewegungs-, Sinnes- und Spielanregungen für ihre Babys im Alter von knapp sechs bis sieben Monaten. An diesem Vormittag ist alles anders: Heute sind die Väter an der Reihe. So erfahren die sieben Männer aus Vellmar und Espenau zunächst einmal, was Pekip überhaupt ist.

„Ich weiß, dass es immer donnerstags ist. Ich weiß aber nicht, was hier passiert“, sagt Andreas Wildung aus Vellmar, Vater von Conner Elia, zu Beginn der Vorstellungsrunde. Frank Engel, ebenfalls aus Vellmar, kennt sich da schon genauer aus: „Pekip steht für Prager-Eltern-Kind-Programm. Hier geht es darum, dass Kind in seinen Fähigkeiten zu stärken und in seiner Entwicklung zu beobachten“, sagt Nadias Papa und erntet anerkennende Blicke aus der Männerrunde.

„Genau. Zu den Zielen des Pekip gehört, die Bindung zwischen Eltern und Kind zu stärken, die Entwicklung des Kindes durch Bewegungs-, Sinnes- sowie Spielanregungen zu unterstützen und den Kontakt der Kinder untereinander zu ermöglichen“, erläutert Maria Petri, während die ersten Papas zu schwitzen beginnen. Das liegt nicht nur daran, dass das eine oder andere Kind anfängt zu schreien und sich von Papa allein nur schwer beruhigen lässt. Auch die Raumtemperatur, die dem Pekip-Prinzip entsprechend etwa 26 Grad beträgt, treibt einigen Herren bereits beim ersten Spiel mit einem Wasserball den Schweiß auf die Stirn.

90 Minuten lang lernten die Väter an diesem Tag, was ihre Frauen machen, wenn sie sagen, dass sie zum Pekip gehen. Wie schön es ist, sein Baby bei jedem seiner Entwicklungsschritte zu begleiten. Und wie beruhigend es doch war, dass die Mamas die ganze Zeit über in Rufweite blieben.

Von Sarah Rogge-Richter

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