Landschaftsarchitekt Werner fordert neue Denkansätze

Pflege der Vellmarer Freizeitanlage: Park-Konzept auf dem Prüfstand

Hans-F.Werner

Vellmar. „Ich hänge ja an dieser Stadt und dem Ahnepark“, sagt Landschaftsarchitekt Hans-Friedrich Werner. Schließlich war der 75-Jährige vor 26 Jahren maßgeblich an der Planung der Vellmarer Freizeitanlage beteiligt. Jetzt sorgt er sich, dass die Stadt Vellmar „die Geldmangelschraube auch beim Ahnepark anzieht“.

Anlass ist die jüngste Streichung von drei Saisonarbeiter-Stellen beim Bauhof, um bei den Personalkosten 40 000 Euro einzusparen.

Für Werner ist das der falsche Weg. Er plädiert für ein Umdenken der Verantwortlichen, wenn es um die Pflege des Ahneparks geht. Denn: „Die Lebensqualität einer Stadt lässt sich nicht am Geldwert ermessen“, sagt er. Und: Nur weil eine Stadt schuldenfrei sei, ziehe keine Familie dort hin. Konzentration auf das Wesentliche und Suche nach preiswerteren Alternativen, lautet sein Credo. Er fordert, dass in puncto Pflege und Gestaltung eingefahrene Wege verlassen und neue Konzepte zur Einsparung von Geld oder Verlagerung der Arbeit diskutiert werden.

Erstes Beispiel sind für ihn die Verkehrsinseln im Vellmarer Stadtgebiet. Ist es sinnvoll, dass sie mehrmals im Jahr aufwendig bepflanzt, intensiv gewässert und dann in Handarbeit von Steinen befreit werden?, fragt sich der Landschaftsarchitekt. Besser wäre es, dort Wildwiesenblumen einzusäen, die so gut wie nicht gepflegt werden müssen. Das würde Geld und Arbeitskraft sparen, die wiederum direkt in den Ahnepark investiert werden könnten. Beim Pflanzen von Wildwiesenblumen koste der Quadratmeter laut Werner gerade mal 1,20 bis 1,50 Euro, die vom Vellmarer Bauhof bevorzugte aufwendige Gestaltung zwischen 25 und 30 Euro. „Wir müssen die Prioritäten ändern“, sagt er. „Wir brauchen keine Schmuckpflanzungen an Orten, wo sie nicht hingehören.“

Auch im Park kann sich Werner in bestimmten Bereichen die preiswerten Wildwiesenblumen vorstellen, ohne dass diese das Gesamtbild trübten - wenn man es geschickt anstelle.

Zweites Beispiel: Denkbar wäre auch, prüfen zu lassen, ob bestimmte Parkarbeiten - wie das in Kassel der Fall sei - ausgeschrieben und kostengünstiger an externe Firmen vergeben werden könnten, als wenn es der Bauhof selbst mache. Auch Baumpatenschaften, die Vellmarer Bürger übernehmen, kann er sich vorstellen.

Drittes Beispiel: Versäumnisse hat Werner auch bei der Baumpflege registriert. Dass heute so viele alte und damit bruchgefährdete Weiden im Ahnepark stünden, liege auch daran, „dass nicht rechtzeitig Jungbäume nachgepflanzt worden sind“. Das alles „steht und fällt mit der Person in der Führungsspitze“, glaubt Werner, befürchtet aber, dass „der Motor fehlt“. Sein Fazit: „Man kann nicht von den Einrichtungen der Vorväter zehren, ohne ihr Vermächtnis für die Bevölkerung zu bewahren und weiter zu entwickeln.“

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