Gesundheitsbehörden haben Proben genommen - Chefs liegen im Krankenhaus

Nach Ehec-Fall: Kaufunger Partyservice R. ist geschlossen

Kaufungen. Acht Gäste erkrankten an Ehec, nachdem der Kaufunger Partyservice R. eine Feier in Uschlag beliefert hatte. Nun sind sowohl das Privathaus der Betreiber als auch das Firmengelände verlassen. 

Die Blumen auf der Treppe des Partyservice R. in Oberkaufungen sind verwelkt. Unter der Treppe liegen drei Müllsäcke, der Briefkasten quillt über. Er wurde seit Tagen nicht geleert, niemand scheint im Haus zu sein.

Dass der letzte Besuch beim Partyservice brisant war, davon zeugen sechs Einweg-Handschuhe in der Mülltonne vor dem Haus - augenscheinlich war das Gesundheitsamt hier.

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Der Caterer R. ist der Partyservice, der die Geburtstagsparty in Uschlag mit Essen belieferte. Acht Gäste erkrankten anschließend an Ehec (wir berichteten). Doch auch die Familie des Partyservice aus Kaufungen traf es hart: Die Chefin Erika R. (67) liegt mit dem HU-Syndrom in der Klinik und war an der Dialyse - ihr soll es inzwischen etwas besser gehen. Auch ihr Mann Gerhard, Chef des Unternehmens, wird wegen Ehec im Krankenhaus behandelt. Ein Sohn des Ehepaares arbeitet als Koch - er sei untersucht worden, gelte jedoch nicht als direkte Kontaktperson.

Gerhard R. habe das Haus in Kaufungen vor einigen Tagen mit einer kleinen Adidas-Tasche verlassen und sei in ein Taxi gestiegen, hat Michaela Horlebein beobachtet. Sie ist die Tochter der Wirtin der benachbarten Kneipe „Hessen-Stube“. Gerhard R. habe „nicht glücklich ausgesehen“.

Dass der Cateringservice seit Tagen verlassen ist, legen auch das verschlossene Hoftor und das Auto mit dem Nummernschild aus dem Hochtaunuskreis nahe, das um die Ecke geparkt wurde. Das Auto - ein BMW 320d - habe Erika R. von ihrer Tochter geschenkt bekommen, erzählen die Nachbarn. Mit dem Wagen fuhr sie dann oft zur Tochter nach Südhessen, um dort das Enkelkind zu betreuen.

Fotos: Kaufunger Partyservice geschlossen

Diese Hinweise nähren die Vermutung der hessischen Landesregierung, dass es sich im Kaufunger Fall um eine Kontakt- oder Schmierinfektion gewissermaßen von Mensch zu Mensch handeln könne: Die Tochter habe sich mit Ehec in einer südhessischen Kantine angesteckt und den Keim auf die Mutter übertragen. Als die dann das Essen für die Geburtstagsfeier in Uschlag zubereitete, könnte der Ehec-Erreger schließlich ins Essen geraten sein. Nach bisherigen Erkenntnissen der Gesundheitsbehörden standen Sprossen nicht auf dem Speiseplan für die Familienfeier. Die Fachleute haben laut Dr. Markus Schimmelpfennig vom Kasseler Gesundheitsamt diverse Proben in dem Betrieb genommen. Mit den Laborergebnissen sei aber frühestens nächste Woche zu rechnen.

Bei anderen Partyserviceunternehmen in Kaufungen ist man froh, dass es sich nun herumspricht, welcher Betrieb betroffen ist. Denn bisher standen alle unter Generalverdacht. Die Folge: Aufträge wurden storniert. Der Kaufunger „Partykoch“ Helmut Katzschmann: „Ich habe gerade drei Aufträge verloren, obwohl ich mit der ganzen Sache nichts zu tun habe“. Sein Verlust beträgt nach eigenen Angaben 4000 Euro. (tho/hei)

Rubriklistenbild: © Fischer

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