Stiftung zur Erforschung der Infektionskrankheit Borreliose soll im Frühjahr an die Arbeit gehen

Patienten fühlen sich im Abseits

Klärten auf: Dr. Eberhard Straube und Dr. Anke Hildebrandt aus Jena gehörten zu den Vortragenden, Dr. Wilderich Becker, Brigitte Ringeler-Leipholz und Dr. Bernd Krone zum Organisationsteam. Regine Bresler vom Gesundheitsamt Kassel moderierte die Veranstaltung (von links). Foto: Schilling

Kassel / Fuldatal. Eine Odyssee haben viele Betroffene hinter sich, bevor die Diagnose feststeht: Borreliose. Doch damit ist es nicht getan. Nach der Odyssee geht die Reise weiter. Auf der Suche nach Ärzten, die die von Zecken übertragene Krankheit behandeln, nehmen Patienten weite Reisen auf sich.

„Im Augenblick habe ich das Gefühl, dass wir rückwärts gehen“, sagt Brigitte Ringeler-Leipholz. Die Vorsitzende der Borreliose- Selbsthilfegruppe Kassel Stadt und Land kennt viele Fälle, bei denen Ärzte aus Kassel und dem Landkreis gerade chronisch kranke Borreliosepatienten ablehnen. „Das nimmt leider zu“, erklärte sie am Wochenende anlässlich des elften Kasseler Borreliose-Symposiums.

Der Grund seien große Schwierigkeiten mit der Krankenkassenärztlichen Vereinigung, weil die Ärzte nur pauschal abrechnen könnten. Viele Bereiche bei der Behandlung von Borreliose sind laut Brigitte Ringeler-Leipholz aber nicht anerkannt, und können darum auch nicht in Rechnung gestellt werden. „Häufig wird negiert, dass es einen chronischen Verlauf der Krankheit überhaupt gibt. Die Betroffenen werden in die Ecke eingebildeter Kranker gestellt.“

Um über die Krankheit aufzuklären, hat Ringeler-Leipholz die Selbsthilfegruppe mit Sitz in Fuldatal vor 15 Jahren gegründet. Da war sie selbst bereits seit sechs Jahren krank. „Ich hatte schon einiges hinter mir und dann das Glück, dass ich gute Ärzte gefunden habe.“ Die Ziele waren damals dieselben wie heute: Die Betroffenen ernst nehmen, Aufklärung über die Krankheit, Ärzte zu motivieren, sich in dem Bereich zu engagieren, und die Erforschung der Borreliose. Das jährlich stattfindende Symposium ist dabei ein wichtiger Bestandteil. In diesem Jahr lag der Focus der Beiträge auf den Coinfektionen, die im Zuge einer Borreliose auftreten können.

Um die Forschung künftig noch aktiver unterstützen zu können, ist Ringeler-Leipholz gerade dabei, mit Gleichgesinnten die Borreliose-Ringeler-Leipholz-Stiftung zu gründen.

„Auch zur Erinnerung an meinen verstorbenen Mann Karl-Heinz Leipholz, der unsere Arbeit sehr unterstützt hat.“

Sie hofft, dass sie im Frühjahr damit beginnen können, Geld für die Stiftung zu sammeln, das Startkapital sollte 100 000 Euro betragen.

Mithilfe der Stiftung sollen Menschen finanziell unterstützt werden, die sich der Erforschung der Borreliose annehmen, sei es im Zuge einer Doktorarbeit oder anderer Forschungsarbeiten.

Von Meike Schilling

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