Kreis Kassel: 77.500 pendeln zur Arbeit

Kai-Lorenz Wittrock Foto: nh

Kreis Kassel. Berufstätige, die in Nieste, Grebenstein, Habichtswald oder Liebenau wohnen, müssen in aller Regel jeden Morgen längere Anfahrten auf sich nehmen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen.

Demgegenüber haben Bewohner vor allem von Baunatal, aber auch von Fuldabrück, Hofgeismar und Niestetal gute Chancen, an ihrem Wohnsitz eine Arbeitsstelle zu finden. Das geht aus der jüngsten Pendlerstatistik hervor, die die Arbeitsagentur Kassel jetzt für den Landkreis Kassel vorlegte. Danach machen sich aus dem kleinen Nieste im Schnitt immerhin täglich über 700 Menschen auf, um außerhalb ihres Wohnortes zu arbeiten, während im Gegenzug nur 55 Auswärtige zur Arbeit einpendeln. Ganz anders sieht es in der größten Stadt des Landkreises Kassel, Baunatal, aus. Sie zählt laut Statistik 18.300 Ein- und nur 6000 Auspendler.

Im Verhältnis wenig Arbeitsplätze für seine Bewohner bietet Habichtswald. Dort zählt man 260 Ein- und 1600 Auspendler. Die Waage hält es sich dagegen in Niestetal, wo auf 3400 Auspendler immerhin 3600 Einpendler kommen.

Wenn es im Landkreis Kassel auch etliche Gemeinden mit verhältnismäßig hohen Zahlen an Auspendlern gibt, sieht Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn darin keine dramatischen Auswirkungen für die Kommunen. Vielmehr verweist er darauf, dass aus wirtschaftlicher Sicht Lohn- und Einkommensteuer für Städte und Gemeinden wesentlich verlässlichere Parameter sind als Gewerbesteuereinnahmen durch Betriebe und Unternehmen. Sie, so sagt Kühlborn, unterlägen je nach Wirtschaftslage starken Schwankungen.

Gleichwohl will er Städten und Gemeinden nicht raten, stärker auf den Faktor Wohngemeinde zu setzen. Einen Königsweg gebe es da nicht. Aus Sicht des Landkreises sei das Verhältnis von Aus- (30.000) und Einpendlern (47.000) trotz der Nähe zur Stadt Kassel ohnehin gut. Vergleichbare Ringkreise um größere Städte hätten viel höhere Auspendlerzahlen zu verzeichnen.

Kai-Lorenz Wittrock, Geschäftsführer von der Wirtschaftsförderung Kassel, will gleichfalls keine Empfehlung geben, ob sich eine Kommune stärker als Wohngemeinde oder als Ort potenter Arbeitgeber positionieren soll. Je nach Standort seien die Voraussetzungen von Kommune zu Kommune ganz unterschiedlich, gibt es seiner Ansicht nach hier keinen Idealzustand.

Stattdessen liest Wittrock aus der Pendlerstatistik, dass die Region Kassel nach wie vor prosperiere. „Wir leben in einer dynamischen Region, in der Wohnen und Arbeiten gleichermaßen von großer Bedeutung sind“, bilanziert Wittrock. Ziel müsse es bleiben, mittelständische Fenster wie beispielsweise Baunatal und Wolfhagen weiterzuentwickeln.

Dass sowohl Lohn- und Einkommensteuer als auch Gewerbesteuer wichtige Einnahmequellen für Gemeinden sind, betont Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Idealerweise befänden sich diese beiden Posten in einem gesunden Gleichgewicht.

Was das Pendeln zum Arbeitsplatz generell anbelangt, weist Schelzke darauf hin, dass Nordhessen hier verwöhnt sei. Über Fahrtzeiten von ein- bis anderthalb Stunden zum Arbeitsplatz beschwere sich beispielsweise in Südhessen niemand.

Von Peter Kilian

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