In 40 Jahren übernahm die Wilhelm-Leuschner-Gesamtschule Niestetal mehrfach die Vorreiterrolle

Pioniergeist auf verschiedenen Feldern

Entspannung durch Bewegung: Unser Archivfoto aus dem Jahr 1993 zeigt Schulkinder auf dem Spielplatz. Archivfoto: nh

Niestetal. Wie schaffe ich Bildungsgerechtigkeit? Wie fördere ich ein Kind individuell nach seiner Begabung und gleiche unterschiedliche Startbedingungen aus? Solche Fragen sind im Zeichen der Pisa-Studie heute aktuell. Doch sie sind nicht neu: Vor 40 Jahren gehörte die Wilhelm-Leuschner-Schule (WLS) zu den ersten integrierten Gesamtschulen der Region, mit deren Bau die damals sozialdemokratisch geführte hessische Landesregierung 1972 Zeichen setzen wollte.

Darüber sei ein heftiger parteipolitischer Kampf ausgetragen worden, erinnert sich Bernd-Günter Ullrich, der wenige Jahre nach dem Bau der Schule dort Lehrer wurde und bis vor Kurzem als Stufenleiter deren Bild maßgeblich über Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Schüler demonstrierten

Die ersten Jahre der Schule, die damals noch Gesamtschule Niestetal hieß und erst 1979 umbenannt wurde, verliefen nicht ohne Probleme ab. Denn die Bauabschnitte kamen zu langsam voran. Erst demonstrierten Schüler für mehr Klassenräume, später auch die Eltern. Er habe mit seinem Fachunterricht dreimal umziehen müssen, erzählt Ullrich. Hinzu kommt, dass die Schule bis heute eine Art Schmelztiegel in Sachen Bildung ist, wie es die jetzige Schulleiterin Ana Viehmann ausdrückt.

Die Schüler kämen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. „Unsere Stärke ist, jeden Einzelnen nach seinen Begabungen bestmöglich zu fördern“, sagt sie. Die WLS hat da in vielen Belangen stets eine Vorreiterrolle übernommen.

So habe die Schule als erste in Nordhessen Betriebspraktika angeboten, sagt Ullrich und ergänzt: „Da waren wir Pioniere.“ Das System der Berufsvorbereitung ist ständig ausgebaut worden. Man greife frühzeitig ein, wenn absehbar sei, dass ein Schüler Probleme mit dem Übergang in die Berufswelt bekommen könnte, sagt Viehmann. Dank der individuellen Hilfen habe es in den letzten sechs Jahren keine Abbrecher gegeben. Ganz vorn ist die Schule, die momentan rund 700 Schüler besuchen (davon 40 Prozent aus Niedersachsen) auch beim gesellschaftlichen Engagement. Seit 1999 ist sie anerkannte Umweltschule und hat als erste in Nordhessen an einem europaweiten Wettbewerb teilgenommen.

Neue Art der Vermittlung

Seit 2009 ist die WLS als gesundheits- und bewegungsfördernde Schule anerkannt. Bis vor Kurzem ist die Schule mit Millionenaufwand saniert und erweitert worden. Doch die nächste Baustelle wartet schon auf Viehmann. Dabei geht es um eine neue Art des Unterrichts, der den Schülern mehr bietet als Wissensvermittlung.

Die Lehrer sollen lernen, Unterrichtsthemen so aufzubereiten, dass jeder Schüler - unabhängig von seinen Stärken und Schwächen - davon profitiert, sagt Viehmann. Die individuelle Förderung rücke in den Mittelpunkt. (pdi)

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