Auswirkungen unbekannt

Kläranlagen können kleinste Kunststoffpartikel nicht ausfiltern

+
So sieht es aus: Mikroplastik in der Nahaufnahme. Die kleinen Kügelchen befinden sich in Peelings, Zahncreme und durch Abrieb bei Fleecejacken in der Waschmaschine. Foto:  nh

Kreis Kassel. Kleinste Kunststoffteilchen aus Zahnpasta und Kosmetika stellen offenbar Kläranlagen vor neue Herausforderungen und könnten gesundheitsgefährdend sein.

Laut einer bisher einzigartigen Studie in Norddeutschland können bisher nur ganz vereinzelte Kläranlagen diese Partikel filtern. Mögliche Auswirkungen sind noch wenig bekannt. Für die Kläranlagen im Landkreis Kassel gibt es bisher noch keine Auflagen des Umweltministeriums.

Die Anlagen können auf herkömmlichem Weg Mikroplastik nicht vollständig aus Abwasser zurückhalten. Es gibt zurzeit 39 Kläranlagen im Landkreis Kassel - davon 35 kommunale und vier sonstige. Für drei Anlagen ist aufgrund der Größe das Regierungspräsidium Kassel zuständig; es handelt sich um die Kläranlagen in Baunatal-Kirchbauna, in Wolfhagen und in Hofgeismar. Eine Regelung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für eine mögliche Anlagennachrüstung mit Filtertechnik zum Rückhalt von Mikroplastik gibt es noch nicht.

Auf der Bundesebene gibt es Signale, dass man Vorgaben für die Produzenten von Plastikprodukten erarbeiten will - Näheres ist aber noch nicht bekannt, erklärte Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Gewässeruntersuchungen auf Mikroplastik finden in Hessen noch nicht statt.

Allerdings beschäftigen sich die zuständigen Fachbehörden des Landes mit dem Thema. Um Gewässer auf Mikroplastik zu untersuchen, sind eine klare Definition aller Eintrags- beziehungsweise Austragsquellen und standardisierte Untersuchungs- und Bewertungsverfahren erforderlich. Daran mangelt es zurzeit noch, erklärte Pressesprecher Kühlborn.

Nur eine teure Schlussfiltration kann eine Belastung reduzieren, ergab eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven.

Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen, die es mit ihrer Nahrung aufnehmen. Daher setzt sich der BUND vehement für ein Verbot von Mikroplastik in Produkten wie Kosmetika oder Reinigungsmitteln ein.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.