Seniorin aus Ahnatal bricht eine Lanze für Schüler und einen Busfahrer – Hilfe beim Einstieg an Haltestelle

„Platz machen für die alte Dame“

Trafen sich jetzt dank der HNA wieder: Seniorin Rosemarie Grunewald aus Ahnatal bedankt sich bei Busfahrer Kay Simon, der der 87-Jährigen seinerzeit beim Einstieg an der Haltestelle Vellmar-Stadtmitte in den Bus der Linie 48 half, als sich nach Schulschluss auch viele Schüler vor dem Bus drängten. Foto: Schräer

Ahnatal / Vellmar. Diesen Tag werde sie nie vergessen, betont Rosemarie Grunewald. „So viel Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Respekt vor dem Alter“ hatten ihr gegenüber Schüler und ein Busfahrer gezeigt, schrieb die 87-Jährige aus Ahnatal in einem Brief an die Redaktion. Daher wolle sie eine Lanze brechen für jene oft gescholtene Berufsgruppe und die „so viel kritisierte heutige Jugend“.

Der Vorfall, der Rosemarie Grunewald so nachhaltig beeindruckte, liegt bereits einige Tage zurück. Jetzt brachte die HNA die Seniorin und Kay Simon, eben jenen Busfahrer der Linie 48, dem sie an der Haltestelle Vellmar-Stadtmitte erstmals begegnet war, wieder zusammen.

Es war an einem Freitag nach Schulschluss. Die Seniorin wollte mit dem Bus von Vellmar zurück nach Weimar fahren, nach einem Arztbesuch in der Ahnestadt. „In der Regel fahre ich Auto“, sagt die rüstige Frau. Nach einer Hand-OP konnte sie ihren Wagen aber nicht lenken und griff auf den öffentlichen Nahverkehr zurück.

Haltestelle Vellmar-Stadtmitte, Abfahrt der Linie 48 um 13.38 Uhr. Simon, der die Tour mit einem Gelenkbus Richtung Ahnatal fuhr, sah nach eigenem Bekunden bereits bei der Anfahrt an die Haltestelle den Pulk Schüler – geschätzte 200 bis 250 aus der benachbarten Ahnatalschule – und die zierliche Seniorin.

„Es gab einiges Gedränge“, sagt der 46-jährige Angestellte des Busunternehmens Frölich. In Vellmar sei dies nach Schulschluss häufig der Fall, anders als in Ihringshausen. An der Gesamtschule Fuldatal stünden die Schüler dank der Hilfe der Schulaufsicht in einer Reihe an, um dann in den Bus zu steigen.

Bei den vielen Schülern, die in Vellmar-Stadtmitte in den Bus wollten, „habe ich mich einfach hinten angestellt und gedacht, da kommst du auf keinen Fall mit“, sagt Rosemarie Grunewald. Direkt vor ihr habe ein großes Mädchen gestanden und dann geschah es. „Das Mädchen drehte sich um, sah mich, tippte ihrem Vordermann auf die Schulter und rief: Achtung, Platz machen, da kommt eine alte Dame.“

Der Junge vor dem Mädchen habe genauso reagiert und vor ihm weitere Kinder und Jugendliche, erinnert sich die Seniorin. So sei schließlich ein freier Gang durch die Schülermenge bis zum Bus entstanden. In dem Moment habe sich die Bustür geöffnet, Fahrer Simon sei aufgetaucht und habe gerufen: „Platz machen für die alte Dame.“ Im Bus habe er sie auch noch an einen der vorderen Plätze gebracht. Und gefragt, an welcher Haltestelle sie aussteigen wolle. Dann strömten die Schüler in den Bus. Während der Fahrt hätten dann einige um sie rumgestanden. „Wir haben uns über Hausaufgaben unterhalten.“

Die ganze Geschichte habe sie sehr gerührt, „auch wenn ich mir im ersten Moment uralt vorkam“, sagt Rosemarie Grunewald. Nach der positiven Erfahrung will die Seniorin künftig häufiger mit Bus und Bahn fahren.

DAS SAGT ...

Von Michael Schräer

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