Kaufungen will kostspieligen Vertrag mit Kasseler Stadtreinigern kündigen - Andere Modelle werden geprüft

Poker um den Winterdienst

Winterdienst soll billiger werden: In Verhandlungen mit den Kasseler Stadtreinigern will die Gemeinde Kaufungen erreichen, dass die Straßen künftig für weniger Geld von Eis und Schnee befreit werden. Montage: Rusche/HNA

Kaufungen. Während der Frühling in Sicht ist, beginnt in Kaufungen der Poker um den Winterdienst. Hintergrund ist der Preisschock vom vergangenen Jahr: 2010 hatten die Kasseler Stadtreiniger, die seit einem Jahrzehnt die Straßen der Lossetalgemeinde von Schnee und Eis befreien, die Preise erheblich heraufgesetzt.

40 000 Euro Grundgebühr musste die Gemeinde zuletzt für den Einsatz der Räum- und Streufahrzeuge berappen, 13 000 Euro mehr als im Jahr davor. Noch drastischer fiel die Erhöhung der Preise für jene Arbeitsstunden aus, die über das vereinbarte Saisonkontingent von 80 Stunden hinausgehen. Hier kassieren die Stadtreiniger jetzt 166,60 Euro pro Stunde - in der Saison zuvor waren es nur 89,25 Uhr. Bis zum 10. Februar sind Kosten von 128 500 Euro aufgelaufen.

Der Gemeinde ist das zu viel. Dem Kaufunger Parlament liegt für seine Sitzung am Donnerstag, 10. März, eine Beschlussvorlage des Gemeindevorstands vor. Darin wird den Abgeordneten empfohlen, den Vertrag mit dem Eigenbetrieb der Stadt Kassel zu kündigen und neu zu verhandeln. „Ziel ist es, die Preise zu reduzieren“, sagt Bürgermeister Arnim Roß (SPD). Dazu äußerten sich die Stadtreiniger gestern nicht. Man sei mit Vertretern der Gemeinde kontinuierlich in Kontakt, so Sprecherin Birgit Knebel. „Gemeinsame Gespräche zum Winterdienst sind geplant.“ Doch selbst wenn die Stadtreiniger bei den Preisen nachgeben sollten: In Kaufungen prüft man nach den unerfreulichen Erfahrungen zusätzlich zwei weitere Varianten für den Winterdienst, die allerdings beide nicht über Nacht verwirklicht werden können.

• Variante 1: Winterdienst in Eigenregie. Denkbar wäre, dass die Gemeinde Kaufungen den Winterdienst in Eigenregie betreibt. Dafür, das geht aus den Berechnungen der Verwaltung hervor, wären aber erhebliche Investitionen erforderlich.

So müssten beispielsweise zunächst in der Nähe des Bauhofes am Oberkaufunger Schoppenbergweg ein Grundstück gekauft und dort eine Halle zum Unterstellen der Einsatzfahrzeuge errichtet werden. Kosten: knapp 380 000 Euro. Für die Anschaffung zweiter Fahrzeuge fielen bei der Leasing-Variante Kosten von knapp 50 000 Euro pro Jahr an.

Hinzu kommen vier Mitarbeiter, die laut Gemeinde zusätzlich für jeweils sechs Monate eingestellt werden müssten. Geschätzte Kosten: 100 000 Euro pro Saison. Insgesamt würde der Winterdienst 2011/2012 bei dieser Variante knapp 164 000 Euro kosten.

• Variante  2: Winterdienst in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Gibt das Parlament grünes Licht, wird die Gemeinde Verhandlungen über einen gemeinsamen Winterdienst mit den Nachbargemeinden aufnehmen. Naheliegend sind Kooperationen mit Helsa und Lohfelden. Kostenschätzungen für diese Variante gibt es noch nicht, ein Beispiel aber schon: Die Mitarbeiter des Lohfeldener Bauhofs räumen die Straßen in Söhrewald.

Von Peter Ketteritzsch

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